Koch Media mit vier Filmen auf dem Filmfest München

Auf dem diesjährigen Filmfest München, das vom 26. Juni bis 4. Juli 2009 stattfindet, präsentiert Koch Media vier hochkarätig besetzte Filme.

„Vinyan“ erzählt die Geschichte eines britischen Ehepaares, das seinen einzigen Sohn während der Tsunami-Katastrophe in Thailand verliert und sich auf eine verzweifelte Suche in den burmesischen Dschungel begibt. Dieses Glanzstück des modernen, frankophonen Horrorfilms mit Emmanuelle Béart („Mission: Impossible“) in der Hauptrolle war Teil der Official Selection des Toronto Filmfestivals und konnte auch in Venedig zahlreiche Zuschauer begeistern.

In der von Nigel Cole („Calendergirls“) inszenierten Komödie „$ 5 A Day“ begeben sich Vater und Sohn auf eine abenteuerliche Reise quer durch die USA, in der das ungleiche Paar versucht, seine zerrüttete Beziehung zu kitten. Christopher Walken („Catch Me If You Can“) liefert eine der charmantesten und herzlichsten Darstellungen seiner Karriere.

Sienna Miller („Casanova“) und Keira Knightley („Abbitte“) brillieren in „Edge of Love“, einer sensiblen Erzählung über zwei Frauen zwischen Freundschaft und Leidenschaft. Im Anschluss an das Filmfest München wird das Liebesdrama am 23. Juli 2009 in den deutschen Kinos starten.

Mit „Moon“ präsentiert Koch Media das Erstlingswerk von David Bowies Sohn Duncan Jones. In dem Science-Fiction Film mimt Sam Rockwell („Per Anhalter durch die Galaxis“) einen vereinsamten Astronauten, der kurz vor Ende seiner dreijährigen Zeit im All an seinem Verstand zu zweifeln beginnt.

Kommentar

Neue Filme aus der Hammer Collection von Koch Media

Am 10.07.2009 erscheinen zwei neue Horrorfilme aus der Hammercollection von KOCH-Media. Es handelt sich um die lang erwarteten Hammer-Filme “Die Bande des Captain Clegg” und um “Der Satan mit den langen Wimpern”. Wie es aussieht werden die Cover mit diesen unsäglich hässlichen, neuen FSK-Logos verunstaltet. :-(

Der Satan mit den langen Wimpern
Bei Amazon
bestellbar!

Spannender Horrorfilmklassiker aus der legendären Hammer-Produktion

Seit einem traumatischen Kindheitserlebnis leidet Janet unter immer wiederkehrenden Alpträumen, in denen sie von ihrer eigenen Mutter grausam gequält und verfolgt wird. Diese sitzt jedoch seit vielen Jahren in einer Nervenheilanstalt, da sie ihren Ehemann und Janets Vater ermordet haben soll. Als Janet nach einem Schulverweis in ihr Elterhaus zurückkehrt, werden ihre Alpträume schlimmer denn je und treiben das junge Mädchen an den Rand des Wahnsinns. (1 DVD)

DVD-Extras

  • Originaltrailer
  • Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
  • 16-seitiges Booklet
Die Bande des Captain Clegg
Bei Amazon
bestellbar!

Spannender Horrorklassiker aus den legendären “Hammer” Studios mit Genre-Ikone Peter Cushing und Oliver Reed in den Hauptrollen
England im 18. Jahrhundert: Marine-Hauptmann Captain Collier erhält den Auftrag, gemeinsam mit seinen Männern den brutalen Captain Clegg aufzuspüren. Dieser treibt mit seiner skrupellosen Bande in einer kleinen Küstenstadt sein Unwesen. Mit Hilfe des ehrenwerten Pfarrers Dr. Blyss kommt Collier dem Schurken auf die Spur. Doch Collier scheint in eine Falle getappt zu sein, als er es auch noch mit Moorgeistern zu tun bekommt. (1 DVD)

DVD-Extras

  • Originaltrailer
  • Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
  • 16-seitiges Booklet

Demnächst hier die Previews! :-)

Kommentar

VON LÖWEN UND LÄMMERN (2007)

Diese Rezension wurde mir von dot-friends.com ermöglicht, welche mir eine Freikarte zum Premierentag spendiert haben. Vielen Dank.

“Ich könnte mir gut vorstellen, in Deutschland zu leben. Es gibt hier einfach die intelligenteren und besser informierten Menschen.”

Sinngemäß sagte Robert Redford diesen Satz vor ein paar Tagen in einem Interview, in dem er auch ankündigte seine Freundin aus Hamburg zu heiraten. Da läuteten schon die Glocken für diejenigen, die den Film “Von Löwen und Lämmern” bisher noch nicht in einer Preview gesehen haben. Wer genau aufgepasst hat, wusste, dass ihn eine Abrechnung erwarten würde: eine Abrechnung mit dem amerikanischen Volk, mit der amerikanischen Presse… mit der amerikanischen Politik und dem immer noch amtierenden Präsidenten.

Was man aber tatsächlich durchleben würde, wenn man in diesen Film geht, das konnte niemand ahnen. Vorbei an den Menschenmassen, die im CineMaXX München gerade in das KINO2 gingen und sich “Lissy und der wilde Kaiser” angeschaut haben, konnte man gemütlich in das wesentlich kleinere KINO1 gehen und gespannt darauf warten, ob “Von Löwen und Lämmern” die Erwartungen einhält – wenn man überhaupt mit Erwartungen rein gegangen ist. Wahrlich: ein Blockbuster ist der Film nicht gerade. Kann er auch nicht sein, dazu wird er zu sehr in die Tiefe gehen. Inhaltliche Tiefe und Breitenwirksamkeit vertragen sich nun mal nicht.

Und so wirkt die Klientel etwas irritierend: rechts neben mir zwei Frauen, Mitte bis Ende 40, die sich gerne mal mit zwei Becks-Flaschen laut klirrend zuprosten und schmachtend jede einzelne Redford-Szene herbei sehnen – zum Glück haben die keine Fernbedienung. Hinter mir ein paar Pärchen, deren weibliche Parts kurz vor dem Film noch versuchen herauszufinden, was sie sich denn anschauen: “Was ist das denn nun? Ne Liebesschnulze oder ein Actioner?” – nur um erstaunt festzustellen, dass da ja tatsächlich auch Tom Cruise mitspielt. Die informiertesten und interessiertesten Zuschauer sitzen wohl links von mir: Anfang bis Mitte 20, männlich, und mehr als nur an einem spannenden Abend interessiert. Amerika – du bist wahrlich nicht allein.

Dieser Film wird wohl eher keine Oskars bekommen – dazu sitzen wahrscheinlich zu viele Schisser in der Oskar-Jury. Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.

 

INHALT

Im Grunde handelt es sich um einen Realtime-Episodenfilm. Es werden 90 Minuten eines Vormittags beschrieben, aus drei verschiedenen Warten die ineinander verwoben werden.

Eine Journalistin, Janine Roth (Meryl Streep), wird zu Senator Jasper Irving (Tom Cruise) gerufen. Sie hat ihn in der Vergangenheit als DIE politische Zukunft hingestellt, weswegen er ihr alle Unterstützung zukommen lassen würde. Sie wird erkennen müssen, dass er sie wieder mal als politisches Instrument benutzen will: “Sie haben den Krieg verkauft, und jetzt verkaufen Sie mit mir bitte auch die Lösung.”

Dr. Stephen Malley (Robert Redford) ruft einen Studenten, Todd (Andrew Garfield) zu sich, in den er zwar große Hoffnung gesetzt hat, der sich aber nach seinem anfänglichen Enthusiasmus vom süßen Studentenleben der Reichen hat verleiten lassen. Zwischen den beiden entbrennt eine Diskussion über die Möglichkeiten des normalen Volkes, sich gegen die Politik zu wehren. Hierzu erzählt Dr. Malley die Geschichte zweier seiner ehemaligen Studenten: Ernest und Arian. Diese beiden haben für sich als einzige Möglichkeit, sich in die Gesellschaft einzubringen und etwas zu bewirken, gesehen, sich freiwillig zum Wehrdienst zu melden – mit einer tatsächlich einsichtigen Begründung.

In der dritten Episode sieht man die Folgen, die Ernest und Arian als Soldaten durch ihre Entscheidung tragen müssen. Sie führen gerade die “neuen” militärischen Ideen, die Senator Irving der Journalistin Roth erläutert, aus. Die “neue” Idee ist eine alte: anstatt große Mengen von Soldaten in den Krieg zu schicken, werden kleine Platoons auf strategisch wichtige Bereiche gesetzt, um den Feind zu vernichten. Das hat man schon im Vietnam-Krieg versucht, und schon damals hat es nicht geklappt.

 

KRITIK

Robert Redford hat dem Zuschauer tatsächlich etwas zu sagen. Und er tritt einigen Leuten gehörig in den Arsch. Zuallererst mir, der ich doch ebenfalls gerne über die Politik schimpfe. Aber was bringt das schimpfen, wenn man selbst nichts tut? Schließlich kriegt die amerikanische Regierung ihr Fett weg: “Was haben wir die letzten sechs Jahre im Irak-Krieg getan? Im zweiten Weltkrieg haben wir keine fünf Jahre gebraucht.” Und selbst der für die Politik stehende Senator gibt zu, dass Fehler gemacht wurden. Für ihn zählt aber nur, den Terror zu besiegen: koste es was es wolle. Die Anzahl der Toten, die Kosten, alles irrelevant. Zuletzt bekommen die Medien noch einen vor den Latz: die Fakten und die Wahrheit waren immer da, man musste nur hinschauen. Und dennoch stellten sich die Medien in den Dienst der Politik, sendete rosarot verpackt den Krieg und seine Rechtfertigungen.
So nebenbei kommen noch eine ganze Menge Themen auf den Tisch, wie die Verantwortung der Universitäten im Sozialkompetenz-Bereich, ein Thema dass sich Deutschland mal zu Gemüte führen sollte – nicht obwohl, sondern gerade weil sich hier unverständlicherweise seit einigen Wochen noch mehr Unis als ELITE-Unis verkaufen dürfen…
Es werden so viele Themen aufgegriffen, manchmal nur mit einem Nebensatz, dass eine Besprechung derselben keine Rezension, sondern ein Buch in Anspruch nehmen würden.

Aber Redford hat nicht nur was zu sagen – er will auch verstanden werden. Man hat in diesem Film ein Mittel eingesetzt, das so ungewöhnlich für die deutschen Sehgewohnheiten ist, dass jeder Zuschauer erst einmal fasziniert drauf glotzt und nur selten im ersten Moment den Inhalt wahrnimmt: nahezu jedes Dokument, jeder Zeitungsausschnitt, alles Wichtige mit Buchstaben ist eingedeutscht. Ich meine damit keine Untertitel, oder nachgedrehte Standbilder. Im laufenden Film sieht man Briefe, Zeitungen, Akten und Overheadfolien mit deutschem Text, fast immer perfekt im Film integriert, als sei es so gedreht worden. Eine sinnvolle Idee, wird der Zuschauer so doch nach einer Eingewöhnungsphase nicht durch Untertitel abgelenkt – so wurde es vor Jahrzehnten im Schwarz-weiss-Film schon mal gemacht, allerdings eben mit in Deutschland nachgedrehtem Material. Ich bin jetzt schon gespannt, ob sich dieser Aufwand auf der DVD wiederfinden wird.
Bei solchen Kleinigkeiten erkennt man jedoch, wie genau sich Redford als Regisseur überlegt hat, wie er den, in seiner Drehplanstruktur als Low-Budget oder zumindest Independent ausgelegten Film möglichst wirksam präsentiert. Eben z.B. mit einem solchen wirklich faszinierenden Effekt, für den Industrial Light and Magic Zeichnung trägt. Nachdem man im Nachspann noch sieht, dass auch Skywalker Sound mitgearbeitet hat, ist klar, dass George Lucas, seines Zeichen Independent Filmer und bekennender Bush-Gegner, in diesen Bereichen mitgeholfen hat.
Schließlich wurde noch ein wenig Action eingefügt, die die etwas langen Dialogszenen auflockert und ein Cast aufgezogen, der jeden aufhorchen lassen muss: Robert Redford selbst stellt sich Meryl Streep und seinen guten Freund Tom Cruise an die Seite, der sicherlich nicht nur wegen seiner Nähe zur Scientology in diesem Bush-kritisierenden Film mitspielt. Haben Redford und Streep ihre Schäfchen längst im Trockenen und können sich sicher sein, dass es ihnen egal sein darf, was Zuschauer und Produzenten denken, so hat Cruise sicherlich noch einige Jahre vor sich, die er als Schauspieler verbringen will – auch wenn er es wohl am allerwenigsten finanziell notwendig hat. Und da braucht es schon eine ganze Menge Mut, sich vor die Kamera zu stellen, und der Politik sowie ca. 70% der amerikanischen Gesellschaft vor die Haustür zu scheißen. Alle Achtung, Mr. Cruise.

Dieser Film ist politisch und gesellschaftlich gesehen sicherlich der wichtigste Film der letzten 30 Jahre – vermutlich auch der nächsten 30 Jahre, denn Hoffnung hege ich nicht wirklich, dass dieses positive Beispiel Schule macht. Genau so wollten alle politisch interessierten Filmemacher seit den 70ern ihre Meinung kund tun – erst Robert Redford hat gezeigt, wie man es richtig macht.

10 von 10 Punkten – eine höhere Wertung ist leider nicht möglich. Dieser Film verbindet Sozialkritik, spannungsgeladene Action und dramatisches Schicksal in einem Polit-Kammerspiel der Extra-Klasse. Dies ist wohl der beste Polit-Thriller und der aufwühlenste Film, den ich je gesehen habe.

Kommentar

Das Movie-Blog im Handy!

Das Movie-Blog ist ab sofort auch für den Mobile Internet-Bereich erreichbar. Unter derselben Adresse wie das normale Blog (www.sinarius.de/wordpress) kann man jetzt eine mobile Version erreichen, wenn man diese Adresse in den Browser seines Handys eingibt.

 Viel Spaß damit! :)

Liebe Grüße,
Sinarius :)

PS: Ich persönlich benutze mittlerweile eine blau.de-Karte, nur um mobil zu surfen. Ist zwar genau wie die ALDI-TALK Karte im E-Plus Netz, kann aber im Gegensatz zu der auch UMTS. 24 Cent pro Megabyte sind tatsächlich günstig, so ein Megabyte reicht ne ganze Zeit. Ich hab keine zwei Euro verbraucht, als ich mal einen ganzen Nachmittag mit dem Handy auf eBay rumgesurft bin… nur mal als Tip. :) Die Prepaid-Handy-Karte bekommt ihr am schnellsten, wenn ihr zur nächsten Norma geht.

Die Mobile-Besucher werden vermutlich NICHT vom Counter gezählt.

Kommentar

Stirb langsam Fanvideo - “Die Hard”-Video auf Youtube

Die Gruppe Guyz Nite hat einen Song im Internet: “Die Hard 4th Verse”. Auf Youtube ist ein wohl inoffizielles Video aufgetaucht. Jedenfalls war mein Tag heute auf dem FullTiltPoker - Event so wie dieses Video: explosiv und absolut Adrenalinträchtig. Viel Spaß mit dem Video. :)

 

Liebe Grüße,
Sinarius :)

Kommentar

Harry Potter und der Orden des Phönix (2007)

INHALT:
Lord Voldemort ist auferstanden! Doch nur einige wenige glauben dies Harry Potter, der in seinen Sommerferien von der Zeitungshetze in der magischen Welt wieder mal nichts mitbekommt. Während sich der Orden des Phönix, der schon vor Harrys Geburt gegen Voldemort kämpfte, neu formiert und die Zaubererwelt zum einen vor Voldemort schützen, zum anderen von dessen Erstarkung überzeugen will, müssen sich Harry und seine Freunde in der Schule gegen die Anfeindungen des Ministeriums erwehren. Nachdem immer mehr Schülern klar wird, dass der Unterricht ihnen zukünftig nicht im Kampf gegen das aufsteigende Böse helfen wird, und der Rausschmiss von Dumbledore sowie die Schreckensherrschaft über die Schule Hogwarts von der sadistischen Katzenliebhaberin Umbridge nur von Voldemort initiiert sein kann, gründen sie „Dumbledores Armee“ und überreden Harry, ihnen so viel wie möglich über den Kampf beizubringen.
Doch Voldemort bekommt immer mehr Macht über Harrys Gedanken und es ist nur eine Frage der Zeit, wann sich die beiden wieder im Kampf gegenüber stehen werden.

KRITIK:
Nach dem letzten Potter-Film hatte ich mit der Kino-Reihe eigentlich abgeschlossen, so schlecht und lieblos war der Film gemacht. Damals wurde aus einem hervorragendem Buch, das Stoff für zwei Filme hergegeben hätte, ein Machwerk zusammengeschustert, das Potter-Fans erschaudern liess. Die Bilder waren für diesen Teil viel zu düster und die Geschichte wurde zusammengestrichen, dass einem das Kotzen kam.

Und nun sollte man sich den nächsten Teil antun, der als Vorlage das wohl langweiligste Buch aus dem Potter-Universum als Grundlage hat? Ein Buch, in dem es auf mindestens 70% der Seiten nur darum ging, Harry im Unklaren zu lassen und ihn in immer tiefere Selbstzweifel stürzen zu lassen, weil er sich von Dumbledore, der ihn unerklärlicherweise nicht mal mehr ansehen wollte, allein gelassen fühlte?
Ich hoffte nur, dass der Roman diesmal genauso zusammen gestrichen wurde, wie das letzte Mal: war es im letzten Teil zwar pure Ketzerei, so viel Nebenstränge zu unterschlagen, so konnte es diesmal der Spannung nur gut tun.

Und was soll ich sagen? Es wurde diesmal tatsächlich alles richtig gemacht. Die elendig langweiligen Stellen aus dem Buch wurden getilgt und übrig blieb ein spannungsgeladener Plot, bei dem man sich nur an ein oder zwei Stellen vielleicht explizitere Darstellungen wünscht. Dobby fehlt schmerzlich und dass Rons erstes Quidditsch-Spiel nicht erwähnt wird ist absolut unverzeihlich… aber naja, man gewöhnt sich wohl an die Unsäglichkeiten der Filme-Macher…
Das Bild ist düster, und diesmal ist es ja auch gerechtfertigt: der dunkle Lord ist auferstanden, die Zauberwelt läuft Gefahr wieder unterjocht zu werden und merkt es nicht mal. An einigen Stellen bekommt man wahrlich Gänsehaut.

Das deutsche Synchron ist einem Kinofilm angemessen, einige Sprecher, vor allem die jungen, scheinen so langsam dazu zu lernen. Leider muss man sich bei Dumbledore an eine neue Stimme gewöhnen. Und auch wenn die Stimme von Klaus Höhne nie zu ersetzen sein wird: es hätte meines Erachtens bessere Alternativen gegeben, als Wolfgang Hess (der aber natürlich NICHT wie Bud Spencer klingt - meine Güte, wer solche Bedenken im Vorfeld äußert, hat echt keine Ahnung vom Synchron). Aber Hess kommt im Vergleich einfach zu hart rüber, dabei wäre seine Stimmlage und sein Timbre sogar noch irgendwie akzeptabel für die Rolle gewesen. Leider hat man sich aber an den Schauspieler orientiert, der schon im letzten Teil viel zu laut und ruppig gesprochen hat. Da war das deutsche Synchron eine wahre Wohltat. Schade, dass man auf sowas diesmal nicht auch geachtet hat.
Aber ansonsten wie gesagt ist das Synchron so unauffällig, wie es zu sein hat.

Einzelne Schauspieler und Rollen fallen diesmal besonders auf: die schon erwähnte Katzenliebhaberin Umbridge wird von Imelda Staunton so dermaßen überzeugend gespielt, dass man es mit der Angst bekommt. Eher farblos hingegen kommt Lucius Malfoy daher, der in den früheren Teilen doch mehr überzeugen konnte. Snape hingegen konnte gegenüber den vorherigen Teilen wieder an Wirkung zulegen, wenn seine Rolle auch immer mehr zu einer Nebenrolle verkommt. Eine absolute Bereicherung ist Evanna Lynch, die Luna Lovegood verkörpert. Wundervoll gespielt, als ob sie direkt aus Rowlings Büchern herausgesprungen wäre. Einfach nur fantastisch. Hier wurde übrigens auch wieder eine hervorragende Synchronstimme gefunden!

Der Regisseur David Yates musste von seinem Vorgänger, der-dessen-Name-von-mir-niemals-wieder-genannt-wird, leider den Spagat zwischen altmodischer und neumodischer Kleidung übernehmen (der in den Büchern nie vorkommt!), was diesmal aber weit weniger unangenehm auffiel, da diesmal auch Szenen im modernen London spielen, vor allem die wunderschönen Flugsequenzen bleiben da im Gedächtnis.

Das Finale ist bemerkenswert. Zum ersten Mal sieht man Zauberer-Duelle wie sie sein sollten. Dass es diesmal nicht so gruselig wie im letzten Teil zugehen kann, war jedem klar, der die Bücher kennt – dafür wurde es um Längen erwachsener und dramatischer. Am Ende hat man die zweieinhalb Stunden gar nicht gemerkt und man war nicht einmal in Versuchung, doch mal schnell auf die Toilette zu gehen… man hatte ja nicht mal zu diesem Gedanken Gelegenheit.

FAZIT:
An die grandiosen ersten beiden Potter-Filme wird man nicht mehr ran kommen, ganz klar. Aber ich hege die Hoffnung, dass der Tiefpunkt mit dem letzten Potter-Film überwunden wurde und es nun wieder bergauf geht. Dieser Teil ist mit einer der stärksten Potter-Filme und kann eigentlich auch die Liebhaber der Bücher überzeugen. Mich zumindest hat er überzeugt, und das war diesmal wahrlich schwere Arbeit. Jedenfalls sollte man sich diesen Film auf keinen Fall entgehen lassen.

7 von 10 Punkten, weil die Umsetzung zwar ok und der Film wahrlich grandios ist, mir aber immer noch zu viel aus den Büchern gestrichen wurde.

Kommentar

STAY ALIVE (2006)

Stay Alive - Unrated Director\'s Cut
Bei Amazon
bestellbar!

Auf diesen Film bin ich in der Videothek gestoßen. Indirekt hat er etwas mit dem Hammer-Film “Comtesse des Grauens” zu tun, es geht um unsere allseits beliebte und gefürchtete Lady Bathory.

INHALT: Ein junger Mann testet ein Underground-Videospiel und stirbt kurz darauf… Seine Freunde entdecken in seinem Nachlass das Spiel, und wollen ihm huldigen, indem sie das letzte Spiel, welches er spielte, selbst spielen. Eigentlich sollten diese Verrückten schon stutzig werden, wenn sich das Spiel erst nach dem lauten Sprechen eines Gebetes startet (ohne Voice Activation wohlgemerkt!). Als aber klar wird, dass ihr Freund und nach und nach sie selbst immer auf genau die selbe Weise sterben, wie im Videospiel, wird auch denen klar, dass sie sich nicht nur in einer virtuellen Realität befinden, sondern in dem Sog einer dunklen Macht, ausgehend von der wieder heraufbeschworenen Lady Bathory! Und diese macht verfolgt die jungen Gamer bis in die Realität.

KRITIK: Spätestens an diesem Punkt wird auch klar, wieso ich diesen Film hier bespreche, man kann ihn tatsächlich als Nachfolger von “Comtesse des Grauens” sehen, und warum dieser Film nicht viel bekannter ist, werde ich nie verstehen. Er ist durchgehend spannend, wirkt nie lächerlich (wenn es auch durchaus komische Momente gibt), die Effekte sind passend und aktuell, aber nicht übertrieben. Das Videospiel selbst sieht fast oldfashioned aus, was aber sinnvoll ist, um die Abgrenzung zur Realität besser hervorzuheben.

FAZIT: Uneingeschränkt empfehlenswert, nicht nur, aber VOR ALLEM für Hammer-Fans! Es ist ein sehr guter Film mit guten Schockeffekten, der, wenn man “Comtesse des Grauens” kennt, und somit den Charakter der Lady Bathory, noch besser wird.

9 von 10 Punkten.

Kommentar

SAW 3

INHALT:
Jigsaw (Tobin Bell) ringt mit dem Tod. Das Krebsgeschwür, von dem der Zuschauer schon seit dem ersten Teil Kenntnis hat, hat sich im Schädel von Jigsaw ausgebreitet. Nur die Maschinen halten das psyhopathische Genie noch am Leben. Doch obwohl er bewegungslos im Krankenbett liegt, hat er noch immer alle Fäden in der Hand. Mithilfe seines Schützlings Amanda (Shawnee Smith) entführt er zwei menschen in seine bizarre Komandozentrale: die Hirnchirurgin Dr. Lynn Denlon (Bahar Soomekh) und den jungen Familienvater Jeff (Angus Macfayden), die er in grausamen Prüfungen dazu bringen will, den Wert des Lebens zu erkennen. Dr. Denlon muss Jigsaw dazu am Leben erhalten, bis Jeff seine Prüfungen durchlaufen hat. Aber es gibt noch mehr Prüfungen und Jigsaw spielt noch viele Spiele…

KRITIK:
Der Film setzt an genau dem Punkt an, an dem der zweite Teil aufgehört hat - und das ist schon der erste Vorteil. Es gab genug ungeklärte Fragen, eine davon wird gleich mal gelüftet, bevor es richtig los geht. Und so sieht man sich in den ersten drei Minuten schon mit dem konfrontiert, das Regisseur Bousman vor dem Film versprochen hat: den härtesten Szenen, die man bisher bei SAW gesehen hat. Und nicht nur da. Ich will nicht spoilern, aber der Leser möge sich mal überlegen, wie man den Fuss noch aus der Fuß-Fessel bekommen kann, ohne ihn abzusägen. Ich weiss wirklich nicht, welche Lösung mir lieber gewesen wäre…
Nach dieser fulminanten Einführung in SAW 3 wird es erst mal ein wenig ruhiger, und man befürchtet fast, es bleibt so. Tatsächlich schafft es Bousman, eine Grundspannung zu erhalten, die einen von einer harten Szene zur nächsten schleppt. Handlung kommt glücklicherweise nicht zu kurz, denn der wahre Horrorfan ist nicht auf Splatterszenen alleine aus. Diese sind genau so verteilt, dass sie einen meistens überraschend treffen, die Atmosphäre ist durchgängig düster und bedrohlich. Die Schocks liegen aber in der Betrachtung des Grauens, sie überfallen einen nicht hinterrücks, was manchmal etwas schade ist. Bei einigen Momenten glaubt man einfach an verdudelte Schockmomente – mir hat ein wenig das Zusammenzucken gefehlt. Nein, solche Zuck-Momente kommen kaum vor, dafür ausführliches Grauen, dass sich Zeit lässt, bei dem man manchmal wegschaut, weil man es kaum noch erträgt. So geht es einem auch bei der sehr realistisch gefilmten Hirn-OP-Szene, die ein wenig an HANNIBAL erinnert, nur sehr viel expliziter ist und ein Zwischending zwischen Hommage und Ohrfeige darstellt. Fast hört man den Regisseur sagen: „SO muss man das machen, ihr Luschen!“. Dieser Film ist tatsächlich nichts für schwache Mägen.

Die Geschichte an sich ist logisch und stringent aufgebaut. Denkt man sich zwischendurch noch, dass Jigsaw und Amanda sich selbst untreu werden, löst sich in bewährter SAW-Tradition am Ende alles auf und es stimmt in sich vollkommen. Sehr viel genauer kann ich nicht darüber schreiben, ohne zu spoilern und dem Zuschauer den Spaß zu nehmen.

Hervorzuheben ist die schauspielerische Leistung ganz allgemein in dem Film, allen voran Tobin Bell. Nur selten ist ein Killer auf dem Krankenbett so gefährlich rüber gekommen. Die Kameraführung ist modern und energetisch, man vergisst sehr schnell, dass man im Kino sitzt und befindet sich absolut in der Geschichte.
Das Synchron ist unauffällig und somit gelungen, selten genug heutzutage.

FAZIT:
Diesen Film sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

9 von 10 Punkten.

Kommentare (1)

SAW III - Zuschauer-Premiere in München

Es war ein Abend, dem man lange entgegen fieberte. Nach einem grandiosen SAW 1 und einem packenden SAW 2 hat man die Möglichkeit, die Premiere von SAW 3 in München in Gegenwart des Regisseurs zu erleben, nur allzu gern wahr genommen. So ging es am Freitag, den 26.01.2006, auf in das Matthäser in München. Zu Beginn, bevor man noch in das Foyer vor den grössten Saal Nummer 6 gelassen wurde, sah es aus, als sei gar nicht mal so viel los. Das änderte sich schnell, und man konnte froh sein, nicht ganz hinten in der Schlange zu stehen. Zum Glück entschloss sich die Kinoleitung, den Einlass flüssiger zu gestalten und alle etwas früher einzulassen. Bei der Gelegenheit bekam man auch gleich ein schickes VIP-Bändchen, mit dem man nach der Vorstellung Zutritt zum 2ROOMs bekam, indem das Interview mit Regisseur Bousman und das Konzert mit den DOPE STARS INC. stattfand.

Wer sich nach seiner Platzreservierung um kurz vor 20 Uhr noch mal im Foyer rumdrückte, konnte gemütlich den Einzug des Regisseurs miterleben, schon mal Unterschriften von ihm bekommen, und so manche gutaussehende Zuschauerin wurde sogar extra heran gewunken zu einem Foto. Nein, abgeschirmt wurde Darren Lynn Bousman wirklich nicht. Im Gegenteil. Der Regisseur, der gerade erst seinen zweiten Spielfilm ablieferte, sonnte sich sehr selbstsicher im Rampenlicht und genoss das Bad in der Menge.

Selbstsicher ging es im Kino-Saal weiter: „SAW 3 lässt die ersten beiden Teile wie Disney-Filme aussehen.“ Nun ja, um große Worte ist er nicht verlegen, der Zwischenapplaus, den das zurückhaltende Publikum nach den ersten 3 Minuten aber gab, zeigt, dass Bousman gelungen war, was er sich vorgenommen hatte. Mehr dazu in der Review zum Film.

Nach der Vorführung lud die Veranstalterin vom Fantasy Filmfest zur Nachbesprechung ins 2ROOMS, und die meisten Zuschauer hatten es leider sehr eilig, dort hin zu kommen. Unten bei Bousman und Kinowelt-Konsorten freuten sich die Fotografen über jeden Fan, der sich doch noch traute, um ein Autogramm zu fragen. Soviel Freiraum ist man in München einfach nicht gewohnt, es war kein Problem, ein paar Worte mit dem Regisseur zu wechseln. Das Angebot seiner Freundin, ihm für die Autogramme die Flasche Bier abzunehmen quittierte er mit einem augenzwinkernden „DONT TOUCH MY BEER!“ - so kurz nach dem Film hatte man die leise Befürchtung, Bousman hätte doch noch irgendwo eine kleine Kammer für solche Fälle übrig.


(von links: Metal_Maniac, Bousman, Sinarius)

Das öffentliche Interview im 2ROOMS vor dem Konzert hatte nur einen Fehler: eine Interviewerin mit mangelhaften Englisch-Kenntnissen, das wars aber auch schon. Jeder hatte die Möglichkeit, Fragen zu stellen und erhielt umfassende Antworten.

Ein paar Auszüge aus dem Interview:

Frage: Wie sieht die Zukunft der SAW-Reihe aus? Wird es hier so werden, wie bei anderen Horror-Reihen, wie bei Freitag der 13. oder Halloween?

Bousman: Die ersten drei Teile sind eine Art Trilogie. SAW 4 ist aber schon in der Pre-Production. Das Konzept von SAW beschäftigt sich nicht nur mit JIGSAW alleine.

Frage: Ist der Titel “SAW” zweideutig zu sehen? Zum einen die “Säge”, zum anderen aber auch “Gesehen”?

Bousman: Ja natürlich, die Zweideutigkeit bezieht sich durchaus auch darauf, das man in sein Innerstes gesehen und sich selbst erkannt hat…

Frage: Funktionieren die Fallen alle wirklich, bzw. wurden diese auch vorher irgendwie getestet?

Bousman: Na ja, um glaubwürdig zu sein, haben wir natürlich einige richtig aufgebaut. Und sie funktionieren wirklich, man kann die einzelnen Bauteile in jedem Baumarkt bekommen… (diese Frage wurde mit einigem Augenzwinkern beantwortet).

Frage: Denkt man bei der ganzen Sequel und Prequel Euphorie der Horrorfilme, wie zuletzt bei “Hannibal Rising” oder auch mit “The Texas Chainsaw Massacre:  The Beginning” über ein SAW – Prequel nach, bei dem man mehr von den Ursprüngen von JIGSAW John Kramer erfährt?

Bousman: Die Möglichkeit besteht durchaus, aber in den nächsten Teilen sieht es eher nicht danach aus, denn das SAW Universum besteht nicht nur aus JIGSAW.

Frage: Wo ist im Kachelraum die Leiche des Krankenpfleger Zapp aus dem ersten Teil geblieben? Wurde die vergessen oder war das Absicht?

Bousman: Solche Fragen beantworten wir grundsätzlich nicht. Das SAW-Universum ist größer, als die bisherigen drei Filme. Wir haben in SAW 3 schon einige Fragen aus den ersten beiden Teilen beantwortet, andere werden vielleicht in den nächsten Teilen aufgelöst.

Klar geworden ist eindeutig, dass es mindestens einen weiteren Teil geben wird. Ebenso, dass Bousman selbst sich über das Interesse und die Anteilnahme der Fans freut.

Anschließend konnten die Fans wiederum Autogramme und Fotos bekommen. Und ziemlich bald begann dann auch das Konzert der Dope Stars Inc. Für diejenigen, die weit angereist waren (ich lernte Leute aus Frankfurt kennen) und gerade für die zahlreichen Gothics war das Konzert natürlich ein Highlight, schade, dass das Münchner Publikum nur schwer in die Gänge kommt. An der Band lag es jedenfalls nicht, dass die meisten nur gebannt auf die Bühne starrten, aber nicht mittanzten. Als Beweis gibt es hier in den nächsten Tagen ein Video mit einem vollständigen Stück aus dem Konzert.

Insgesamt ein perfekter Premierenabend, der zeigt, dass es auch ohne den übermäßigen Einsatz von Sicherheitskräften geht und ein bekannter Regisseur auch überlebt, wenn er sich Publikumsnah zeigt. Wer nach dem Auftritt von Bousman nicht fasziniert von diesem Mann ist, dem ist nicht mehr zu helfen. Danke Kinowelt für diesen schönen Abend.

Kommentare (1)

James Bond 007: CASINO ROYAL

Inhalt
Bond soll den Terroristen-Banker „Le Chiffre“ dazu bringen, zu den Engländern überzulaufen und diese mit Informationen zu versorgen, indem er ihn bei einem Pokerturnier ruiniert. Bond gerät bei seinem ersten großen Auftrag aber in einen Strudel von Gewalt und wird von Le Chiffre mit Anschlägen überhäuft.

Zum Film allgemein
„Casino Royale führt in die Vergangenheit von James Bond und erfindet den Agentenmythos neu.“ Dieser Satz aus dem Kinoprogramm der MaxX-Kinos (die mir, nebenbei bemerkt, im Gegensatz zu anderen Münchner Kinos endlich mal ein Kino-Erlebnis geboten haben, wie ich es mir wünsche) stimmt leider nur zur Hälfte. Tatsächlich wird James Bond mit „Casino Royale“ neu erfunden, in die Vergangenheit führt der Film allerdings nicht – zum Leidwesen der Wenigen, die James Bond auch immer als Romanfigur sehen. Aber dazu später mehr.

Aufgrund dieses außergewöhnlichen Bond-Filmes, der so gar nicht in die bisherige Bond-Reihe passen will, muss diese Review einen ganz anderen Weg gehen, als es bisher bei Bond-Filmen der Fall war. Ich werde zuerst ganz allgemein auf den Film eingehen. Danach werde ich beleuchten, ob das Versprechen, diesen Bond-Film literarischer zu gestalten, erfüllt wurde, und schließlich werde ich die Kardinalfrage von „Casino Royal“ aufgreifen: ist Daniel Craig ein guter James Bond – besser gesagt, ist er überhaupt ein James Bond?

Als ich das erste Mal erfuhr, dass „Casino Royale“ nun doch als echter Bond-Film produziert wird (was alleine schon eine Gefahr darstellte, weil aus diesem Stoff schon in den 60ern eine grandiose Komödie gemacht wurde), war mir klar, dass die Bond-Reihe eine neue Wendung nehmen musste: zu bedeutend ist der erste Bond-Roman, als dass man, wie so oft, einfach nur den Titel und ein paar Hauptfiguren eines Romans von Ian Fleming nehmen kann und daraus dann einen Action-Film strickt.

Was für einen Film erwartet den Zuschauer: nun, zuerst einmal ein wirklich grandioser Action-Film, das war klar. Dass man aufgrund des letzten offiziellen Trailers dennoch mit falschen Erwartungen ins Kino geht und ein modernes Screendesign mit 3D-Kamerafahrten und „The Transporter“-mässigem Bildaufbau erwartet, ist nicht die Schuld der Zuschauerschaft, sondern der Produzenten, die mit dem erwähnten letzten Trailer eine falsche Erwartung geschaffen haben. So was kann man getrost auch Mogelpackung nennen. Aber egal. Das merkt man eh erst, wenn es quasi zu spät ist und man von den wirklich einzigartigen Parkour-Action-Sequenzen und der überraschend brutalen Ausstrahlung Craigs überrumpelt wurde.

Die ersten 60 Minuten des über 2 Stunden und 20 Minuten dauernden neuen Bond-Films sind Action pur. Mit einem der coolsten Bonds, den wir bisher kennen gelernt haben. Da wird in schwindelnder Höhe auch mal eine Handfeuerwaffe, die Bond aus dem Gleichgewicht bringen soll, einfach so aufgefangen und zurück geworfen. Ein wenig Hulk-Action bringt Komik auf, wenn Bond einfach so durch eine Wand durchbricht.
Action eben  – Action vom Feinsten. Und eben genau das, wogegen Pierce Brosnan und die letzten Bond-Filme angekämpft haben. Da befürchtete man schon, dass man wieder in die Bond-Machart von vor 15 Jahren zurück versetzt wird, in der einzig Action zählte und weder Figurenentwicklung noch der Agenten-Film-Charme der 60er, der Bond-Filme von Anfang an, vor allem die mit Sean Connery, auszeichnete, zum Zuge kommen. Aber weit gefehlt.

Ab dem Moment, in dem man mit dem frisch zur Doppel-Null rekrutierten Bond nach Nassau fährt, um gegen Le Chiffre im Pokerturnier zu gewinnen, wird aus „Casino Royal“ ein waschechter Bond-Film. Die Bond-Girls sind diesmal etwas spröde und für den männlichen Zuschauer gibt es wahrlich nicht viel zu sehen. Dafür werden die Freundinnen der selben mit dem durchtrainierten Daniel Craig dafür versöhnt, dass sie in einen Action-Film geschliffen wurden, den sie eh wegen des ach so charismatischen Hauptdarstellers sehen wollten. in Punkto Sex darf der neue Bond also auf jeden Fall dazu lernen. Ob man als Zuschauer nun in jedem Bond-Film die berühmte “Ich tauche sexy aus dem Meer auf”-Szene, die auf dem ersten Bond-Film fusst und schon im letzten Brosnan-Bond mit Halle Berry so erwartungsvoll in Szene gesetzt wurde, erwarten darf, werden wir noch sehen.

Was man dafür als wahrer Bond-Fan aber zu Hauf bekommt, sind Casino-Szenen, mit die besten, die es je in einem Bond-Film zu sehen gab, echte Agenten-Szenen jenseits der Popcorn-Action bis hin zu einer (gerade in Hinblick auf aktuelle Nachrichten brisante) Vergiftungsszene (eine der spannensten überhaupt im Film). Wie in klassischen Bond-Filmen üblich, gerät Bond in die Fänge des Bösewichts, gerät in schlimmste Gefahr (und in die härteste Folterszene, die ich in einem Film ab 12 je gesehen habe), und kann sich gegen Ende natürlich daraus befreien, sonst gäbe es ja nicht den nächsten Bond-Film.

So weit, so gut, man wird gut unterhalten in dem neusten Bond mit dem neuen Gesicht. Was ist aber mit den Versprechen, die im Vorfeld abgegeben wurden? Da wurde von einer literaturnahen Verfilmung gesprochen. Ich möchte ausführlicher darauf eingehen, da genau dies von den meisten anderen Kritikern nicht getan werden kann – einfach weil die meisten wohl noch nie einen Bond-Roman gelesen haben werden.

Zum Versprechen einer literarischen Verfilmung
Tatsache ist, dass man sich in Casino Royal tatsächlich etwas mehr aus der Ian Fleming – Vorlage bedient hat, als es in den meisten Bond-Filmen der Fall war. Aber es wurden einfach einige krasse Kardinalfehler begangen. Wie kann man nur die Anfangsgeschichte von James Bond in die Gegenwart legen? Die Agenten-Ikone des kalten Krieges in eine Zeit versetzen, die dessen Geburt in eine Zeit setzen musste, die schon nach dem Erscheinen des ersten Bond-Filmes liegen muss?
Aber genau das hat man getan. Wenn man sich die Daten auf der Webseite www.casinoroyal-derfilm.de ansieht, ist der neue Bond tatsächlich im Jahre 1968 geboren.
Von einer literarischen Verfilmung, wie man sie in „Goldfinger“, „Im Geheimdienst ihrer Majestät“, vielleicht sogar noch in „Der Mann mit dem goldenen Colt“ gesehen hat, kann man sich also getrost verabschieden. Von der englischen Erziehung, die auch aus einem eiskalten Killer im Namen ihrer Majestät, der Frauen in seinem Geschäft nicht gerne sieht, auch.
Das einzige, was man dem Film zugestehen kann, ist tatsächlich, dass der Aufbau des Romans in die Neuzeit verfrachtet wurde und eben nicht nur rudimentäre Grundzüge aus dem Roman entnommen wurden wie bei den meisten anderen Bond-Filmen. Ist ja auch schon mal was.
So langsam dämmert einem, dass hier tatsächlich eine neue Ära eingeläutet wird. Man hat sich nicht getraut, zurück in die Zeit des kalten Krieges zu reisen und eben dann das daraus gemacht, was man jetzt im Kino sehen kann – eine Agenten-Geschichte, deren Brisanz nicht mehr dieselbe ist, wie die des Originalstoffes. Nur so war es auch möglich, wieder einen weiblichen „M“ zu integrieren, der ja mit Pierce Brosnan eingeführt wurde, weil der Chef des MI6 auch in Wirklichkeit mittlerweile eine Frau ist. Wurde Pierce Brosnan in seinem ersten Bond-Film noch als Relikt aus dem kalten Krieg beschimpft, hören sich die Schimpfattacken der Chefin heute ganz anders an: „Früher hatten Agenten, die so einen Mist gebaut haben, zumindest den Anstand, überzulaufen. Meine Güte, wie ich den kalten Krieg vermisse.“

Spätestens nach diesem Satz müsste man eigentlich verstehen, dass einen etwas vollkommen Neues erwartet, was auch einen neuen Charakter der Bond-Figur rechtfertigt  - nicht bedingt, wohlgemerkt, aber durchaus rechtfertigt.

Der Drehbuchautor hat diesen Weg eingeschlagen – ist man verstockt als Bond-Fan, kann man resignieren und alles, was ab jetzt ins Bond-Kino kommt ad acta legen.

Man kann dem neuen Weg aber auch folgen - und wenn man dies tut, wird es auch interessant.

Auch wenn mir der traditionelle Bond-Charakter besser gefallen hat, in diesem neuen Setup macht der neue Bond durchaus Sinn: es ist kein charmanter, harter aber gut erzogener Bond mehr, den man da im Kino sieht.
Es ist ein rotzfrecher, neuer Bond, der sich gegen seine eigene Gesellschaft stellt und eben am Beginn seiner Doppel-Null-Karriere mit Anfang 30 steht. Mich hat sehr lange gestört, dass ein solcher Charakter von einem Schauspieler verkörpert wird, der locker wie Mitte 40 aussieht – geht man aber davon aus, dass Männer, die viel mit Krieg zu tun haben, schneller altern, passt das sogar.

Eine andere Sache passt aber nicht: mit Anfang 30 lässt sich ein Mann nicht mehr stylistisch so locker erziehen, wie es der Craig-Bond in Casino Royal mit sich machen lässt. Bond-Girl Vesper ist mehr Bond als Bond selbst, was wohl ebenfalls beabsichtigt ist - sie soll Bond wohl in seine eigentliche Richtung schubsen. Und wird es durch die tragische Wendung in der Geschichte auch irgendwann schaffen - wenn auch nicht in diesem Teil der neuen Bond-Reihe.
Würde da ein Mann Mitte 20 sitzen, würde der gesamte Charakter verständlicher wirken: da würden seine Regelverletzungen, sein impulsives und einseitiges Sexleben, seine noch nicht sehr weit entwickelte Persönlichkeit Sinn machen. Da würde man es auch gleich genießen können, mitzuerleben wie er sich von anderen abschaut, wie er sich zukünftig vorstellt, wie er seinen eigenen Cocktail erfindet (nicht den Wodka Martini, sondern den „James Bond“), wie er (nicht durch eine Frau, wie man immer wieder gelesen hat, sondern eben durch Erfahrung) zu dem Mann wird, den wir kennen. Trotzdem fehlt auch gegen Ende dem neuen Bond die englische Erziehung, der Gentleman, der zu Bond gehört wie der Smoking. Auch das ist aber gewollt, das merkt man schon an seiner ersten Martini Bestellung: „Einen Wodka Martini bitte.“ – „Geschüttelt oder gerührt?“ – „Sehe ich aus wie ein Mann, den das interessiert?“.
Man kann so einen Satz als Ketzerei gegen Bond sehen – man kann aber auch lachen und ein Tränchen für den alten Charakter verdrücken, den man wohl nie wieder sehen wird. Aber man hatte ihn ja auch 20 Filme lang.

Daniel Craig als James Bond 
Was habe ich, als Daniel Craig als Bond-Darsteller genannt wurde, nicht mitgeschimpft. Wie, bitte schön, soll so eine blonde Gesichtsbaracke (tschuldigung, aber stimmt doch) bitte einen smarten Bond abgeben???
Die Antwort ist einfach: GAR NICHT! Bond ist nicht mehr smart – oder noch nicht, man weiß ja nicht, was im nächsten Bond-Film, der für Ende 2008 angekündigt ist, so kommt, und wie sich der Bond-Charakter darin weiter entwickelt.
Eines ist Daniel Craig ganz sicher nicht: vergleichbar mit irgendeinem der bisherigen Bond-Darsteller, und genau das war wohl auch beabsichtigt.
Wenn Daniel Craig sagt, er hofft, er ist dabei beim nächsten Bond-Film, denn sie hätten etwas Neues begonnen, und er wäre gerne bei dieser Entwicklung dabei, kann ich ihm nur zustimmen. Nachdem dieser waghalsige Schritt gemacht wurde und nun mal etwas Neues begonnen wurde, sollte Craig auch die Figur, die am Ende von Casino Royal noch weit entfernt aber auf dem Weg zu unserem bekannten Bond ist, weiter mitgestalten dürfen. Denn eines ist ganz klar: Craig ist ein hervorragender Schauspieler, sieht in Action-Szenen verdammt gut aus, und wirkt auf Frauen - warum auch immer… ;-) . Und das sind nun mal die wichtigsten Voraussetzungen für einen Bond-Darsteller. Dass er in Casino Royal nicht den klassischen, smarten Bond geben durfte, ist nicht seine Schuld. Ich bin mittlerweile überzeugt, er hätte das gekonnt, wenn die Drehbuchautoren ihn gelassen hätten.

Fazit:
Wer sich auf das neue Bond-Experiment einlässt, wird hervorragend unterhalten. Daniel Craig erfüllt vielleicht nicht die Erwartungen der wahren Bond-Fans, aber das konnte er durch das Drehbuch, welches neue Wege einschlägt, auch nicht. Das offene Ende von Casino Royal macht jedenfalls neugierig auf die weitere Entwicklung.

Bewertung:
8 von 10 Punkten
: es ist ein guter Action-Film, ein echter Bond-Film und für den Mut der Produzenten, einen solchen verrückten Schritt eines absoluten Neuanfangs zu wagen gibt es von mir einen Extrapunkt.

PS:
Ich glaube, ich habe einen Cameo-Auftritt von Sean Connery entdeckt! Als Daniel Craig das Rezept seines ganz eigenen Martinis aufsagt gibt es einen Sekundenbruchteil einen Schnitt zu einem Casinobesucher, der sagt: „So einen will ich auch!“. Ich glaube, dass dies der junge Sean Connery war. Wer demnächst ins Kino geht und den Film anschaut, möge bitte mal darauf achten, ob ich mich da nicht doch getäuscht habe.

Komentare (9)