Archiv für August, 2007

Harry Potter und der Orden des Phönix (2007)

INHALT:
Lord Voldemort ist auferstanden! Doch nur einige wenige glauben dies Harry Potter, der in seinen Sommerferien von der Zeitungshetze in der magischen Welt wieder mal nichts mitbekommt. Während sich der Orden des Phönix, der schon vor Harrys Geburt gegen Voldemort kämpfte, neu formiert und die Zaubererwelt zum einen vor Voldemort schützen, zum anderen von dessen Erstarkung überzeugen will, müssen sich Harry und seine Freunde in der Schule gegen die Anfeindungen des Ministeriums erwehren. Nachdem immer mehr Schülern klar wird, dass der Unterricht ihnen zukünftig nicht im Kampf gegen das aufsteigende Böse helfen wird, und der Rausschmiss von Dumbledore sowie die Schreckensherrschaft über die Schule Hogwarts von der sadistischen Katzenliebhaberin Umbridge nur von Voldemort initiiert sein kann, gründen sie „Dumbledores Armee“ und überreden Harry, ihnen so viel wie möglich über den Kampf beizubringen.
Doch Voldemort bekommt immer mehr Macht über Harrys Gedanken und es ist nur eine Frage der Zeit, wann sich die beiden wieder im Kampf gegenüber stehen werden.

KRITIK:
Nach dem letzten Potter-Film hatte ich mit der Kino-Reihe eigentlich abgeschlossen, so schlecht und lieblos war der Film gemacht. Damals wurde aus einem hervorragendem Buch, das Stoff für zwei Filme hergegeben hätte, ein Machwerk zusammengeschustert, das Potter-Fans erschaudern liess. Die Bilder waren für diesen Teil viel zu düster und die Geschichte wurde zusammengestrichen, dass einem das Kotzen kam.

Und nun sollte man sich den nächsten Teil antun, der als Vorlage das wohl langweiligste Buch aus dem Potter-Universum als Grundlage hat? Ein Buch, in dem es auf mindestens 70% der Seiten nur darum ging, Harry im Unklaren zu lassen und ihn in immer tiefere Selbstzweifel stürzen zu lassen, weil er sich von Dumbledore, der ihn unerklärlicherweise nicht mal mehr ansehen wollte, allein gelassen fühlte?
Ich hoffte nur, dass der Roman diesmal genauso zusammen gestrichen wurde, wie das letzte Mal: war es im letzten Teil zwar pure Ketzerei, so viel Nebenstränge zu unterschlagen, so konnte es diesmal der Spannung nur gut tun.

Und was soll ich sagen? Es wurde diesmal tatsächlich alles richtig gemacht. Die elendig langweiligen Stellen aus dem Buch wurden getilgt und übrig blieb ein spannungsgeladener Plot, bei dem man sich nur an ein oder zwei Stellen vielleicht explizitere Darstellungen wünscht. Dobby fehlt schmerzlich und dass Rons erstes Quidditsch-Spiel nicht erwähnt wird ist absolut unverzeihlich… aber naja, man gewöhnt sich wohl an die Unsäglichkeiten der Filme-Macher…
Das Bild ist düster, und diesmal ist es ja auch gerechtfertigt: der dunkle Lord ist auferstanden, die Zauberwelt läuft Gefahr wieder unterjocht zu werden und merkt es nicht mal. An einigen Stellen bekommt man wahrlich Gänsehaut.

Das deutsche Synchron ist einem Kinofilm angemessen, einige Sprecher, vor allem die jungen, scheinen so langsam dazu zu lernen. Leider muss man sich bei Dumbledore an eine neue Stimme gewöhnen. Und auch wenn die Stimme von Klaus Höhne nie zu ersetzen sein wird: es hätte meines Erachtens bessere Alternativen gegeben, als Wolfgang Hess (der aber natürlich NICHT wie Bud Spencer klingt - meine Güte, wer solche Bedenken im Vorfeld äußert, hat echt keine Ahnung vom Synchron). Aber Hess kommt im Vergleich einfach zu hart rüber, dabei wäre seine Stimmlage und sein Timbre sogar noch irgendwie akzeptabel für die Rolle gewesen. Leider hat man sich aber an den Schauspieler orientiert, der schon im letzten Teil viel zu laut und ruppig gesprochen hat. Da war das deutsche Synchron eine wahre Wohltat. Schade, dass man auf sowas diesmal nicht auch geachtet hat.
Aber ansonsten wie gesagt ist das Synchron so unauffällig, wie es zu sein hat.

Einzelne Schauspieler und Rollen fallen diesmal besonders auf: die schon erwähnte Katzenliebhaberin Umbridge wird von Imelda Staunton so dermaßen überzeugend gespielt, dass man es mit der Angst bekommt. Eher farblos hingegen kommt Lucius Malfoy daher, der in den früheren Teilen doch mehr überzeugen konnte. Snape hingegen konnte gegenüber den vorherigen Teilen wieder an Wirkung zulegen, wenn seine Rolle auch immer mehr zu einer Nebenrolle verkommt. Eine absolute Bereicherung ist Evanna Lynch, die Luna Lovegood verkörpert. Wundervoll gespielt, als ob sie direkt aus Rowlings Büchern herausgesprungen wäre. Einfach nur fantastisch. Hier wurde übrigens auch wieder eine hervorragende Synchronstimme gefunden!

Der Regisseur David Yates musste von seinem Vorgänger, der-dessen-Name-von-mir-niemals-wieder-genannt-wird, leider den Spagat zwischen altmodischer und neumodischer Kleidung übernehmen (der in den Büchern nie vorkommt!), was diesmal aber weit weniger unangenehm auffiel, da diesmal auch Szenen im modernen London spielen, vor allem die wunderschönen Flugsequenzen bleiben da im Gedächtnis.

Das Finale ist bemerkenswert. Zum ersten Mal sieht man Zauberer-Duelle wie sie sein sollten. Dass es diesmal nicht so gruselig wie im letzten Teil zugehen kann, war jedem klar, der die Bücher kennt – dafür wurde es um Längen erwachsener und dramatischer. Am Ende hat man die zweieinhalb Stunden gar nicht gemerkt und man war nicht einmal in Versuchung, doch mal schnell auf die Toilette zu gehen… man hatte ja nicht mal zu diesem Gedanken Gelegenheit.

FAZIT:
An die grandiosen ersten beiden Potter-Filme wird man nicht mehr ran kommen, ganz klar. Aber ich hege die Hoffnung, dass der Tiefpunkt mit dem letzten Potter-Film überwunden wurde und es nun wieder bergauf geht. Dieser Teil ist mit einer der stärksten Potter-Filme und kann eigentlich auch die Liebhaber der Bücher überzeugen. Mich zumindest hat er überzeugt, und das war diesmal wahrlich schwere Arbeit. Jedenfalls sollte man sich diesen Film auf keinen Fall entgehen lassen.

7 von 10 Punkten, weil die Umsetzung zwar ok und der Film wahrlich grandios ist, mir aber immer noch zu viel aus den Büchern gestrichen wurde.

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