Archiv für Januar, 2007

SAW 3

INHALT:
Jigsaw (Tobin Bell) ringt mit dem Tod. Das Krebsgeschwür, von dem der Zuschauer schon seit dem ersten Teil Kenntnis hat, hat sich im Schädel von Jigsaw ausgebreitet. Nur die Maschinen halten das psyhopathische Genie noch am Leben. Doch obwohl er bewegungslos im Krankenbett liegt, hat er noch immer alle Fäden in der Hand. Mithilfe seines Schützlings Amanda (Shawnee Smith) entführt er zwei menschen in seine bizarre Komandozentrale: die Hirnchirurgin Dr. Lynn Denlon (Bahar Soomekh) und den jungen Familienvater Jeff (Angus Macfayden), die er in grausamen Prüfungen dazu bringen will, den Wert des Lebens zu erkennen. Dr. Denlon muss Jigsaw dazu am Leben erhalten, bis Jeff seine Prüfungen durchlaufen hat. Aber es gibt noch mehr Prüfungen und Jigsaw spielt noch viele Spiele…

KRITIK:
Der Film setzt an genau dem Punkt an, an dem der zweite Teil aufgehört hat - und das ist schon der erste Vorteil. Es gab genug ungeklärte Fragen, eine davon wird gleich mal gelüftet, bevor es richtig los geht. Und so sieht man sich in den ersten drei Minuten schon mit dem konfrontiert, das Regisseur Bousman vor dem Film versprochen hat: den härtesten Szenen, die man bisher bei SAW gesehen hat. Und nicht nur da. Ich will nicht spoilern, aber der Leser möge sich mal überlegen, wie man den Fuss noch aus der Fuß-Fessel bekommen kann, ohne ihn abzusägen. Ich weiss wirklich nicht, welche Lösung mir lieber gewesen wäre…
Nach dieser fulminanten Einführung in SAW 3 wird es erst mal ein wenig ruhiger, und man befürchtet fast, es bleibt so. Tatsächlich schafft es Bousman, eine Grundspannung zu erhalten, die einen von einer harten Szene zur nächsten schleppt. Handlung kommt glücklicherweise nicht zu kurz, denn der wahre Horrorfan ist nicht auf Splatterszenen alleine aus. Diese sind genau so verteilt, dass sie einen meistens überraschend treffen, die Atmosphäre ist durchgängig düster und bedrohlich. Die Schocks liegen aber in der Betrachtung des Grauens, sie überfallen einen nicht hinterrücks, was manchmal etwas schade ist. Bei einigen Momenten glaubt man einfach an verdudelte Schockmomente – mir hat ein wenig das Zusammenzucken gefehlt. Nein, solche Zuck-Momente kommen kaum vor, dafür ausführliches Grauen, dass sich Zeit lässt, bei dem man manchmal wegschaut, weil man es kaum noch erträgt. So geht es einem auch bei der sehr realistisch gefilmten Hirn-OP-Szene, die ein wenig an HANNIBAL erinnert, nur sehr viel expliziter ist und ein Zwischending zwischen Hommage und Ohrfeige darstellt. Fast hört man den Regisseur sagen: „SO muss man das machen, ihr Luschen!“. Dieser Film ist tatsächlich nichts für schwache Mägen.

Die Geschichte an sich ist logisch und stringent aufgebaut. Denkt man sich zwischendurch noch, dass Jigsaw und Amanda sich selbst untreu werden, löst sich in bewährter SAW-Tradition am Ende alles auf und es stimmt in sich vollkommen. Sehr viel genauer kann ich nicht darüber schreiben, ohne zu spoilern und dem Zuschauer den Spaß zu nehmen.

Hervorzuheben ist die schauspielerische Leistung ganz allgemein in dem Film, allen voran Tobin Bell. Nur selten ist ein Killer auf dem Krankenbett so gefährlich rüber gekommen. Die Kameraführung ist modern und energetisch, man vergisst sehr schnell, dass man im Kino sitzt und befindet sich absolut in der Geschichte.
Das Synchron ist unauffällig und somit gelungen, selten genug heutzutage.

FAZIT:
Diesen Film sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

9 von 10 Punkten.

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SAW III - Zuschauer-Premiere in München

Es war ein Abend, dem man lange entgegen fieberte. Nach einem grandiosen SAW 1 und einem packenden SAW 2 hat man die Möglichkeit, die Premiere von SAW 3 in München in Gegenwart des Regisseurs zu erleben, nur allzu gern wahr genommen. So ging es am Freitag, den 26.01.2006, auf in das Matthäser in München. Zu Beginn, bevor man noch in das Foyer vor den grössten Saal Nummer 6 gelassen wurde, sah es aus, als sei gar nicht mal so viel los. Das änderte sich schnell, und man konnte froh sein, nicht ganz hinten in der Schlange zu stehen. Zum Glück entschloss sich die Kinoleitung, den Einlass flüssiger zu gestalten und alle etwas früher einzulassen. Bei der Gelegenheit bekam man auch gleich ein schickes VIP-Bändchen, mit dem man nach der Vorstellung Zutritt zum 2ROOMs bekam, indem das Interview mit Regisseur Bousman und das Konzert mit den DOPE STARS INC. stattfand.

Wer sich nach seiner Platzreservierung um kurz vor 20 Uhr noch mal im Foyer rumdrückte, konnte gemütlich den Einzug des Regisseurs miterleben, schon mal Unterschriften von ihm bekommen, und so manche gutaussehende Zuschauerin wurde sogar extra heran gewunken zu einem Foto. Nein, abgeschirmt wurde Darren Lynn Bousman wirklich nicht. Im Gegenteil. Der Regisseur, der gerade erst seinen zweiten Spielfilm ablieferte, sonnte sich sehr selbstsicher im Rampenlicht und genoss das Bad in der Menge.

Selbstsicher ging es im Kino-Saal weiter: „SAW 3 lässt die ersten beiden Teile wie Disney-Filme aussehen.“ Nun ja, um große Worte ist er nicht verlegen, der Zwischenapplaus, den das zurückhaltende Publikum nach den ersten 3 Minuten aber gab, zeigt, dass Bousman gelungen war, was er sich vorgenommen hatte. Mehr dazu in der Review zum Film.

Nach der Vorführung lud die Veranstalterin vom Fantasy Filmfest zur Nachbesprechung ins 2ROOMS, und die meisten Zuschauer hatten es leider sehr eilig, dort hin zu kommen. Unten bei Bousman und Kinowelt-Konsorten freuten sich die Fotografen über jeden Fan, der sich doch noch traute, um ein Autogramm zu fragen. Soviel Freiraum ist man in München einfach nicht gewohnt, es war kein Problem, ein paar Worte mit dem Regisseur zu wechseln. Das Angebot seiner Freundin, ihm für die Autogramme die Flasche Bier abzunehmen quittierte er mit einem augenzwinkernden „DONT TOUCH MY BEER!“ - so kurz nach dem Film hatte man die leise Befürchtung, Bousman hätte doch noch irgendwo eine kleine Kammer für solche Fälle übrig.


(von links: Metal_Maniac, Bousman, Sinarius)

Das öffentliche Interview im 2ROOMS vor dem Konzert hatte nur einen Fehler: eine Interviewerin mit mangelhaften Englisch-Kenntnissen, das wars aber auch schon. Jeder hatte die Möglichkeit, Fragen zu stellen und erhielt umfassende Antworten.

Ein paar Auszüge aus dem Interview:

Frage: Wie sieht die Zukunft der SAW-Reihe aus? Wird es hier so werden, wie bei anderen Horror-Reihen, wie bei Freitag der 13. oder Halloween?

Bousman: Die ersten drei Teile sind eine Art Trilogie. SAW 4 ist aber schon in der Pre-Production. Das Konzept von SAW beschäftigt sich nicht nur mit JIGSAW alleine.

Frage: Ist der Titel “SAW” zweideutig zu sehen? Zum einen die “Säge”, zum anderen aber auch “Gesehen”?

Bousman: Ja natürlich, die Zweideutigkeit bezieht sich durchaus auch darauf, das man in sein Innerstes gesehen und sich selbst erkannt hat…

Frage: Funktionieren die Fallen alle wirklich, bzw. wurden diese auch vorher irgendwie getestet?

Bousman: Na ja, um glaubwürdig zu sein, haben wir natürlich einige richtig aufgebaut. Und sie funktionieren wirklich, man kann die einzelnen Bauteile in jedem Baumarkt bekommen… (diese Frage wurde mit einigem Augenzwinkern beantwortet).

Frage: Denkt man bei der ganzen Sequel und Prequel Euphorie der Horrorfilme, wie zuletzt bei “Hannibal Rising” oder auch mit “The Texas Chainsaw Massacre:  The Beginning” über ein SAW – Prequel nach, bei dem man mehr von den Ursprüngen von JIGSAW John Kramer erfährt?

Bousman: Die Möglichkeit besteht durchaus, aber in den nächsten Teilen sieht es eher nicht danach aus, denn das SAW Universum besteht nicht nur aus JIGSAW.

Frage: Wo ist im Kachelraum die Leiche des Krankenpfleger Zapp aus dem ersten Teil geblieben? Wurde die vergessen oder war das Absicht?

Bousman: Solche Fragen beantworten wir grundsätzlich nicht. Das SAW-Universum ist größer, als die bisherigen drei Filme. Wir haben in SAW 3 schon einige Fragen aus den ersten beiden Teilen beantwortet, andere werden vielleicht in den nächsten Teilen aufgelöst.

Klar geworden ist eindeutig, dass es mindestens einen weiteren Teil geben wird. Ebenso, dass Bousman selbst sich über das Interesse und die Anteilnahme der Fans freut.

Anschließend konnten die Fans wiederum Autogramme und Fotos bekommen. Und ziemlich bald begann dann auch das Konzert der Dope Stars Inc. Für diejenigen, die weit angereist waren (ich lernte Leute aus Frankfurt kennen) und gerade für die zahlreichen Gothics war das Konzert natürlich ein Highlight, schade, dass das Münchner Publikum nur schwer in die Gänge kommt. An der Band lag es jedenfalls nicht, dass die meisten nur gebannt auf die Bühne starrten, aber nicht mittanzten. Als Beweis gibt es hier in den nächsten Tagen ein Video mit einem vollständigen Stück aus dem Konzert.

Insgesamt ein perfekter Premierenabend, der zeigt, dass es auch ohne den übermäßigen Einsatz von Sicherheitskräften geht und ein bekannter Regisseur auch überlebt, wenn er sich Publikumsnah zeigt. Wer nach dem Auftritt von Bousman nicht fasziniert von diesem Mann ist, dem ist nicht mehr zu helfen. Danke Kinowelt für diesen schönen Abend.

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