Archiv für Mai, 2006

DIE SPIELERIN

Die Spielerin. Erotischer Roman.
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Fernsehfilm nach Motiven des Romans «Der Spieler» von Fjodor Dostojewski (1821-1881).

Die wohlhabende Polina (Hannelore Elstner) trifft in einem Nobelhotel auf den sich offensichtlich in finanziellen Schwierigkeiten befindlichen Anwalt Friedrich Mühlbichler (Erwin Steinhauer). Dieser verführt Polina das erste Mal zum Roulette-Spiel, was für Polina einen Wendepunkt in ihrem Leben darstellt. Denn als Friedrich verhaftet wird, will sie, sie ist ja ein Glückskind, die Kaution für ihn erspielen. Während Friedrich an seiner Verteidigung arbeitet, rutscht Polina in den Strudel eines Spielsüchtigen und verzockt ihr gesamtes Vermögen, vom Bargeld über das Haus bis hin zu ihren Aktien.
Als Friedrich, im eigenen Gerichtsverfahren nicht unglücklich, Polinas Spielsucht herausfindet, ist es schon zu spät, Polina wird nie aufhören, solange zu spielen, bis sie nichts mehr hat, weil sie ihrem verlorenem Geld hinterher läuft.

Der 90-minütige Fernsehfilm, der unter der Regie von Erhard Riedlsperger entstanden ist, zeigt ein nicht gut recherchiertes Psychogramm einer Spielerin und der Umgebung. Positiv hervorzuheben sind die schauspielerischen Leistungen der Hauptdarsteller, die bis in die kleinste Rolle gute Besetzung, und die interessante und phantasievolle Kameraführung. Überhaupt nicht gelungen ist das drum herum: kein Besucher einer Spielbank sagt häufiger als einmal zu der Zero „Null“ – und diese Null zieht sich durch den ganzen Film. Ebenso wie andere Ungereimtheiten, die denjenigen, die häufiger Spielbanken besuchen, spanisch vorkommen dürften. Viel Geld wurde auch nicht für Komparsen ausgegeben, so findet man in diesem Film eine Idealform von Spielbanken vor, an denen man jederzeit einen Platz am Roulettetisch bekommt ohne in Atemnot zu geraten, ganz zu schweigen von den gut gekleideten Menschen drum herum: alles Dinge, die heutzutage einfach nicht mehr stimmen.
Die Darstellung der spielsüchtigen Frau hingegen gerät Hannelore Elsner ausgesprochen gut. Wie ein Junkie sitzt sie vor den Spielautomaten und hämmert auf die Tasten ein, geradezu nach ein bisschen Glück bettelnd. Schade, dass diese Szene durch ihr Ende vom Drehbuchautor versaut wird: natürlich wird angesagt, wie viele Spiele man auch am Automaten noch machen darf („Die letzten drei Spiele bitte.“), aber niemals, wirklich NIEMALS, wird, solange sich noch ein Spieler im Gebäude befindet, einfach der Strom ausgemacht. Noch vorhandenes Geld darf niemals einfach so verloren gehen, gerade bei dieser Szene dürften einige Spielbankenchefs erbost aufgeschrieen haben.

Insgesamt dank der Schauspieler und der Kamera ein trotzdem noch sehenswerter Film, auch wenn die Recherche um das Spielbankgeschehen und auch die Entwicklung eines süchtigen Spielers einfach zu kurz gekommen sind. Viel Richtiges lernt man in diesem Film nicht, visuell und schauspielerisch wird man jedoch verwöhnt.

Schauspielerische Leistung: 8 von 10 Punkten
Bildgestaltung: 8 von 10 Punkten
Buch / Regie: 4 von 10 Punkten

Gesamtbewertung: 5 von 10 Punkten

Kommentar

POPETOWN - Die Kritik

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Nun wurde sie also ausgestrahlt – die erste Folge einer Trickfilmserie, die kirchliche Vereine sogar verbieten lassen wollen. Da stellt sich die Frage, ob POPETOWN es überhaupt wert ist, dass man sich die Köpfe darüber heiß redet.

Die erste Folge einer Comedy-Sendung, sei es nun eine Sitcom oder sozialkritischer Zeichentrick a la „Die Simpsons“ oder „South Park“ dient vornehmlich der Charakterzeichnung. Insofern kann man aufgrund dieser einen Folge, die heute auf MTV ausgestrahlt wurde natürlich kein Gesamturteil über die ganze Serie abgeben. Aber Tendenzen zeigen sich durchaus – und die sehen nicht gerade gut aus für die Serie.

Der Papst ist ein siebenjähriges, sehr herrschsüchtiges und aggressives Kind, das ein gefundenes Fressen für die Super-Nanny wäre. Dessen rechte Hand ist der sehr progressive Pater Nicholas, der nicht nur unter den Unzulänglichkeiten seiner schwesterlichen Sekretärin zu leiden hat. Besonders auffällig ist noch eine sehr resolute und unangenehme Reporterin in Schwesternrobe, die grundsätzlich eine blonde Strähne um sich wehen lässt.
In der ersten Folge spielen der Papst und seine rechte Hand verstecken, der Papst geht dabei verloren und findet sich in der päpstlichen Hostien-Fabrik wieder, die angekettete Arbeiter am Fliessband arbeiten lässt.
Nachdem sich gehbehinderte Kinder schon unbändig auf den Papst freuen, dieser jedoch gerade nicht greifbar ist, muss sich Pater Nicholas etwas einfallen lassen: er besorgt sich einen Papst-Doppelgänger, der drei kleine Fehler hat: er hat nicht die kindliche Stimme, er ist eine Rampensau, und er ist… Jude.
Es kommt, wie es kommen muss, der Papst-Doppelgänger ist viel geeigneter als Repräsentant, vor allem viel beliebter, weswegen Pater Nicholas den echten Papst erst mal in der Hostien-Fabrik schmoren lässt und große Show-Pläne mit dem jüdischen Papst schmiedet.
Der echte Papst befreit sich mit Wrestling-Griffen und einer MP aus der Hostien-Fabrik und erkämpft sich seinen Stuhl zurück, Pater Nicholas kann ihn gegen Ende aber mit seiner Lieblingsspeise beruhigen…

So weit, so schlecht: von sozial- oder gar Kirchenkritik ist weit und breit höchstens ansatzweise etwas zu sehen, etwa die drei Kardinäle, die nicht davor zurückschrecken, behinderte Kinder für ihre vornehmlich finanziellen Zwecke einzusetzen… da frag ich mich nur, wo die Satire ist, aber ok.

Technisch gesehen ist POPETON durchaus interessant: klassischer „South Park“-Stil wird hier gemischt mit Computeranimierten Hintergründen, was wohl auch die schnelle Produktionsweise erklärt. Gut aussehen tut es, aber das macht halt leider die Geschichte nicht besser.

Zur deutschen Bearbeitung: das Synchron ist nach deutschem Standard gut geworden, es wurden auch erfahrene Sprecher eingesetzt. Die Stimme des siebenjährigen Papstes wird vielen bekannt vorkommen, und wenn man die Augen schließt, sieht man Bart Simpson auf seinem Skateboard durch den Vatikan sausen.
Nichts gegen Sandra Schwittau, das ist eine langjährige, (meistens) liebe Kollegin von mir, die kann wahrlich nichts dafür, dass heutige Redaktionen einfach nichts mehr drauf haben und nach einem einfachen Rezept vorgehen: eine neue Serie wird eingestuft nach altbekannten, schon erfolgreichen Serien, und deren Stimmen nimmt man dann. So hört man in jeder Mysterie-Serie die Stimmen von AkteX, und in so einer modernen Trickfilmserie eben Bart Simpson… schwach, ganz schwach, vor allem, weil sich Sandra beim sprechen tödlich gelangweilt haben muss, vorausgesetzt, POPETOWN bleibt auf diesem Niveau. Aber das zeichnet gute Synchronsprecher aus: auch dann geben sie ihr Bestes, wie gesagt, an der Sprecher-Leistung selbst ist auch nichts auszusetzen.
Zusammenfassend: POPETOWN ist wahrlich kein Renner, technisch interessant, und die Leistung der Serie liegt vornehmlich darin, wieder mal Diskussionen ausgelöst zu haben, die wir dringend brauchen – denn irgendwann wird die Kernfrage gestellt werden: darf es Zensur in Deutschland geben? Und ich hoffe, dass wir nach der Beantwortung dieser Frage noch in einer Demokratie leben.

Bewertung nach der ersten Folge:

3 von 10 Punkten, denn ein als Kreuz getarnter Pogo-Hüpfstock reicht wahrlich nicht aus, um meine Lachmuskeln zu kitzeln.

Kommentare (1)

POPETOWN auf MTV

Heute Abend kommt auf MTV um 21:30h eine Folge Popetown, aufgrund der dann diskutiert werden soll, ob weitere Folgen gesendet werden (dürfen), oder nicht.

Meine Meinung zur POPETOWN - Diskussion?

Schade, dass die katholische Kirche jetzt den selben Fehler macht, den die Mohammedaner vor ein paar Wochen wegen den Karikaturen gemacht haben (und über die wir uns dabei so aufgeregt haben): sie zeigt, dass große Teile ihrer Anhängerschaft keinen Humor besitzt, wenn es um ihren Glauben geht. Und das, wo sie gerade den besten Papst seit langem bekommen hat. Zumindest in diesem Punkt könnten viele Religionen einiges von den Juden lernen, die sich selbst immer mit einem Augenzwinkern betrachten und eigene Unzulänglichkeiten thematisieren.

Dieses Bild, mit dem herabgestiegenem Jesus, der sich köstlich über POPETOWN amüsiert - ich glaube, das Bild trifft des Pudels Kern: Kirche und Religion hatten eigentlich noch nie etwas miteinander zu tun, deswegen kann ich (evangelisch, in Bayern aufgewachsen, nicht an die Kirche aber an Gott glaubend) auch keine Gotteslästerung darin erkennen, wenn der Vatikan durch den Kakao gezogen wird. Und dazu gab es in den letzten Jahren nun mal genug Anlass (Rehabilitierung Galileos erst Jahrzehnte nach den ersten Satellitenfotos, Aktienbeteiligungen an Kondomherstellern… ach was nicht alles.)

Da ist es auch nicht wichtig, ob die Serie an sich gut oder schlecht oder vielleicht sogar lästerlich ist – man sollte, auch wenn es um einen selbst geht, mal wieder über die Bedeutung des Wortes TOLERANZ nachdenken, bevor man antidemokratisch wird und über das Verbot von Kunst nachdenkt - und sei diese Kunst auch noch so trivial.

Kommentar