Archiv für April, 2006

KING KONG (2005)

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Es war noch zu Zeiten, in denen der „Herr der Ringe“ um Oskars kämpfte und im Fantasy-Wettstreit mir „Harry Potter“ lag, da hörte ich das erste Mal das Gerücht, dass Peter „Bad Taste“ Jackson einen absoluten Klassiker der Filmgeschichte adaptieren will: King Kong. Ich hielt das lange für eine Schnapsidee, denn das sagte Peter Jackson immer, wenn er einen Film fertig gestellt hatte. Als es dann offiziell wurde, glaubte ich immer noch nicht an einen großartigen Erfolg. Aber na ja, irgendwas muss ein Regisseur, der gerade einen jahrzehntelang als unverfilmbar geltenden Stoff erfolgreich doch verfilmt hat, ja tun.
WARUM, so fragte ich mich, sollte man King Kong wieder mal neu verfilmen, das letzte Remake aus den 70ern hätte eigentlich eine Warnung sein sollen, dass man an den Charme und die Intensität des Originals nicht rankommt.
Tja, die Antwort liefert Peter Jackson mit seinem fast drei Stunden dauernden Film, bei dem ich mich letzten Endes fragen muss, welcher Film denn nun wirklich der Beste im Jahr 2005 gewesen ist: „Star Wars 3“ oder „King Kong“. Sicher ist nur, dass Peter Jackson einen Film von einem Filmfan für Filmfans gemacht hat und so einige altgediente (um nicht zu sagen ausrangierte) Regisseure in ihre Schranken verwiesen hat.
Und warum um alles in der Welt habe ich diese Review nicht vor ein paar Monaten geschrieben, als ich den Film zum ersten Mal gesehen habe? Ich habe keine Ahnung, und war erstaunt, dass ich heute doch nicht nur eine DVD Review, sondern tatsächlich den ganzen Film besprechen muss.

Inhalt:
Die 30er Jahre in Amerika. Der Film, vor allem der Tonfilm, ist noch sehr neu, und die Leute die für ihn arbeiten sind dementsprechend enthusiastisch. Der Regisseur Carl Denham (gespielt von „School of Rock“ Hauptdarsteller Jack Black) hat einen Film in der mache, der von den Produzenten gefallen lassen wird. Für ihn beginnt ein Wettlauf um seine Karriere, wenn er sein Team an Board eines Schiffes peitscht, das Kurs auf die unbekannte Insel „Skull Island“ nimmt. So nebenbei findet er noch auf dem Weg zum Hafen die perfekte Darstellerin für die weibliche Hauptrolle, Ann Darrow (Naomi Watts).
Auf der Insel findet sich nicht nur die perfekte Kulisse für Denhams Film. Neben nicht gerade freundlichen Eingeborenen laufen einem längst ausgestorbene Dinosaurier, überlebensgroße Tausendfüßler, Fledermäuse und Spinnen und ein Riesenaffe über den Weg. Letzterer wird King Kong genannt. Der Rest ist (Film-)Geschichte. Kong wird gefangen, zum Big Apple gebracht, auf dem Broadway ausgestellt, vermisst seine Liebste, sucht sie in einem zerstörerischen Kampf gegen die Großstadt, besteigt mit ihr das Phallussymbol schlechthin, das Empire State Building und wird vom Militär danieder gestreckt.

Inszenierung:
kong2 Meine Güte, was für ein Feuerwerk. Der Film ist von der ersten Sekunde an bis zur letzten ein Fest. Ein Fest an darstellerischem Musterkönnen, an technischer Perfektion, an perfekten Special Effekts. Und dennoch hat es Jackson geschafft, dem Original treu zu bleiben, ihm eher noch eine Note dazu zu geben, als ihm zu schaden. Aber King Kong ist auch das perfekte Pflaster, um endlich mal klar zu stellen, wer der beste Regisseur der Gegenwart ist. Und das, ohne der Vorlage untreu zu werden (JA, es gab Dinosaurier im Original, JA, es gab auch die Riesenspinnen, die legendäre Szene ist aus dem Originalfilm nach einem Test-Screening herausgeschnitten worden und seitdem verschollen, weil die Zuschauer über nichts anderes mehr gesprochen haben, und die Hauptrolle hatte nun mal King Kong). Jackson kann bessere Dinos als Spielberg erschaffen und sie um Längen besser in Szene setzen. Er kann auch bessere Riesenspinnen zeigen, als man sie jemals in Harry Potter zu Gesicht bekam. Er ist sogar besser, als dieser Typ, der „Herr der Ringe“ gedreht hat, meine Güte. Der Mann ist ein Phänomen. Warum „King Kong“ bei den Oskars in diesem Jahr so übergangen wurde und stattdessen Machwerke beachtet wurden, die man nicht mal in einem Atemzug mit „King Kong“ nennen will, wird mir immer ein Rätsel bleiben.
Jackson schafft es wie kein zweiter, perfekte SFX mit einer genialen Geschichte zu verbinden und den Schauspielern immer noch genug Luft zum schöpferischen Atmen zu lassen. Der allgegenwärtige Thomas Kretschmann, Jack Black, Naomi Watts, jede einzelne Figur wurde mit Liebe ausgesucht und perfekt in Szene gesetzt. Die schauspielerischen Leistungen sind ohne Einschränkung als perfekt zu werten.
kong1 Der animierte King Kong ist das Beste, was man sich vorstellen kann, er ist atemberaubend realistisch. Wo früher Stop-Motion-Puppen im (auch heute noch fesselnden) Original die Schauspieler in manchen Szenen ersetzten, wurden hier computeranimierte Schauspieler-Doubles eingesetzt, die man nicht ein einziges Mal entdecken kann.
Das New York der 30er… nicht mal Filme die in den 30ern entstanden sind, haben es so gut dargestellt.
Einige Szenen zeigen, dass Jackson eine Hommage an seinen Lieblingsfilm drehen wollte. Der schier unglaubliche Kampf zwischen King Kong und den Dinos, der schon im Original den Atem stocken lässt (auch heute noch!), die Spinnenszene, die jedem Fan abgeht, teilweise sind ganze Einstellungen fast 1 zu 1 übernommen und in die heutige Filmsprache übersetzt. Einzig der Zusammenhalt der Schiffscrew mit der Filmcrew, der im Original grenzenlos schien, wurde von Jackson eliminiert. Klar: ein paar Figuren wurden anders gezeichnet, ein paar hinzugefügt, andere weggelassen, aber es wurde kein anderer Film gedreht. Sogar ein paar Dialoge kann man wieder erkennen. Diesen Film anzusehen macht einfach Spaß, ihn mit dem original zu vergleichen ist schier eine Offenbarung.

Es mag an mir liegen, dass ich bei den Vernichtungsszenen in New York die ganze Zeit an den 11. September denken musste. Damals hatte sich am darauffolgenden Tag ein Kollege versprochen und statt „Twin Towers“ „Empire State Building“ gesagt. Meine Bemerkung darauf war: „Nein, nein, es war der Twin Tower, der eingestürzt ist. Das mit dem Empire State Building war King Kong.“
Ich glaube trotzdem, dass die umherfliegenden Flugzeuge und der zerstörungswütige King Kong nicht nur mir diese Assoziation bringt.
Was mir nach der ersten Begegnung mit King Kong gefehlt hat, seine emotionsgeladene Liebe zur weißen Frau, das hat Jackson mehrfach gut gemacht in den romantischen Szenen, wenn Kong sehnsüchtig in den Sonnenuntergang schaut oder mit seiner Liebe auf dem zugefrorenen See schlittert.

King Kong - Produktionstagebücher (2 DVDs)
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Die nun erschienene DVD ist als perfekt anzusehen: Bild und Ton sind hervorragend, und der Bonus zeigt, was Filmliebhaber sehen wollen. Als dringende Ergänzung empfehle ich die schon zum Kinostart erschienene 2-er DVD „King Kong: Produktionstagebücher 1 bis 55“. Insgesamt hat man ein Werk in der Hand, aus dem Filmstudenten mehr lernen können, als jemals aus einem mehrjährigen Studium.

Bewertung:
Film: 11 von 10 Punkten ;-)
Schauspieler: 10 von 10 Punkten
SFX: 10 von 10 Punkten.

PS: Nur um es hier auch nochmal erwähnt zu haben. JACKSON FOR POTTER-UNIVERSE! Nur dieser Mann kann die letzten drei Potter-Filme noch retten!!!!

PPS: Meine Bewertung von King Kong (2005) vom Januar 2005 aus einem Forum, hauptsächlich deswegen interessant, weil ich am selben Tag auch das Original gesehen hab:

Ich hab an ein und dem selben Tag sowohl den Film von 1933 als auch den neuen Jackson gesehen.

King Kong und die weiße Frau
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Erst mal zum Original: ich hatte ganz vergessen wie spannend und genial dieser Film ist. Wahnsinn, man ist auch mit der Stop-Motion-Technik voll im Geschehen.

Jackson hat einen glanzvollen Spagat geschafft: den Spagat zwischen Remake und Neuinterpretation. Er hat Rollen und Bilder übernommen, an einigen Stellen abgeändert (manchmal zu meinem Leidwesen, denn der Zusammenhalt der Schiffscrew im Original hat mir sehr gut gefallen), er hat den Focus gerade in der Beziehung zwischen Frau und Gorilla verschoben und trotzdem dem Original gehuldigt - schade dass King Kong nicht ganz so “süss” wie im Original ausgefallen ist, zumindest nicht von Anfang an, gegen Ende des Films kommt das dann erst. Manchmal zitiert Jackson 1:1, samt Bildeinstellung, Text und Überblendung, an anderen Stellen verändert er es, dass es entweder weh tut oder erfreut, es aber immer passend und genial ist. Wie ein Puzzle, in dem man altes und neues herausfinden und vergleichen muss.

Dass die SFX genial sind, muss man nicht erwähnen - Jackson macht in der Regie-Riege einen Rundumschlag, zeigt z.B. dass er bessere Dinos zustande bringt, als Spielberg in Jurassic Park, einen besseren “Godzilla” als Emmerich, und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen bringt er die absolut neuen und genialen Insekten. Besser gehts eigentlich gar nicht mehr.

Die fast 3 Stunden vergehen wie im Fluge - deswegen nehm ich meinen Kommentar von vor über einem Jahr zurück:

Sinarius hat folgendes geschrieben::

Splatteralex hat folgendes geschrieben::
Gibts eigentlich News zum Thema?

Ja… hab gehört, dass der Film “King Kong” recht affig werden soll… *hüstel*

;-)

10 von 10 Punkten - sowohl für Original als auch für die Neuverfilmung 2005.

Kommentar

Das erste Special: Hammer Films Production

Es hat sich ja schon länger nichts mehr auf dieser Seite getan. Ich komm einfach nicht dazu, die Filme, die ich sehe, in angemessener Form zu besprechen. Dafür hab ich heute ein Schmankerl für euch, das euch sicher entschädigen wird. Ich habe vor einem Jahr etwa ein Special zu DER Gothic-Filmproduktion aller Zeiten geschrieben: den HAMMER Films, die die grandiosen Dracula und Frankenstein Filme mit Christopher Lee und Peter Cushing gedreht haben.

Aber HAMMER Films haben natürlich um einiges mehr gedreht. Als Anfang eines umfangreichen Hammer-Nachschlagewerkes habe ich diesen Überblick über die Hammer Film Ltd. zusammengetragen. Auf englisch gab es einige Zeit schon sowas ähnliches, auf deutsch wird man das nicht finden (solange den Text niemand einfach rauskopiert - in diesem Fall werde ich allerdings recht böse, wenn ich nicht namentlich genannt werde).

Entweder rechts im Menü unter “Specials” auf “The Gothic of Hammer” klicken oder diesen Link hier benutzen: http://sinarius.de/wordpress/?page_id=95

Viel Spaß mit dem ersten Special auf meinem Movie-Blog… nehmt euch Zeit zum lesen, es lohnt sich. :-)

Kommentare (1)