Archiv für Februar, 2006

JACK FROST 2

Jack Frost 2 - Die Rache des Killerschneemanns
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Inhalt:
Sheriff Sam Tyler (Christopher Allport) ist von seinem Zusammentreffen mit Jack Frost auch ein Jahr, nachdem er ihn besiegt hat noch immer traumatisiert. Nur mit gemischten Gefühlen verlässt er seine Gemeinde und fliegt mit seiner Familie im Weihnachtsurlaub auf eine Südseeinsel. Sein Freund Joe (Chip Heller) will dort heiraten. Sam nervt seine Umgebung mit Vorahnungen, die sich aber schon bald bestätigen werden. Die Regierung will Jack Frost wieder zum Leben erwecken, ein mehr oder weniger dummer Zufall bewirkt dies auch. Jack Frost ist wieder unterwegs auf seinem blutigen Rache-Trip, und so wundert es nicht, dass sich auf der Tropeninsel bald Leiche an Leiche reiht. Sam ist gefragt. Kann er seinem Trauma Herr werden und sich dem Killerschneemann, der sich diesmal Verstärkung in Form kleiner Killer-Schneebälle mitgebracht hat, stellen?

Kritik:
Der zweite Teil um den mutierten Killerschneemann Jack Frost ist noch eine kleine Ecke blutiger, als der erste Teil, und hat somit endlich die verdiente KJ-Ratifizierung erhalten. (Achtung: es existiert auch eine geschnittene FSK16-Version).
Aber auch in punkto Komik hat sich was getan: der Film ist noch ein Stück abgedrehter, der Humor hat in etwa die Qualität eines schlechten Eis-am-Stiel-Teils. Wieder mal muss man in der absolut richtigen Stimmung sein, wenn man sich diese teils witzige, teils lächerliche Splatter-Komödie ansehen will. Ernsthafte Horror-Fans werden nach 5 Minuten abschalten, wenn sie es überhaupt so lange schaffen. Splatter-Fans sollten sich, auch wenn sie nicht auf dümmliche Dialoge stehen, den Film trotzdem nicht entgehen lassen. Die Gore-Effekte machen Spaß, und diesmal kann man sogar ein oder zwei sündhaft teure CGI-Effekte bewundern (das war ironisch gemeint). Ein Computer-animierter Schneeball kann nicht darüber hinweg täuschen, dass der Killerschneemann immer noch aussieht wie ein Styropor-Berg, aber gerade Splatterfans stehen ja auf handgemachte Effekte. Und die hat man in Jack Frost 2 in Massen.
Der Film hat trotz seines Speeds gewisse Längen, aber vielleicht war ich auch nicht wirklich in der Stimmung, die man für diesen Film braucht. Es macht wieder mal Spaß, den Bemerkungen von Jack Frost zu lauschen, während er eine Blutspur hinterlässt, die so einigen ernsthaften Horrorfiguren zu wahrer Ehre gereichen würde. Am Ende sitzt man da mit einem strapazierten Zwerchfell und kennt einen Partyfilm mehr.

7 von 10 Punkten.

Kommentar

JACK FROST - DER EISKALTE KILLER

Jack Frost - Der eiskalte Killer
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Inhalt:
Jack Frost ist ein eiskalter Serienkiller, der 38 Menschen auf dem Gewissen hat. Nach seiner Verurteilung wird er durch einen tobenden Schneesturm zu seiner Hinrichtung gebracht. Durch das Wetter kommt es aber zu einem Unfall, bei dem Jack Frost mit Chemikalien in Berührung kommt, die ihn genetisch verändern. Er mutiert zu einem Killerschneemann und kann seinen Aggregatszustand quasi fließend von Eis über Schnee zu Wasser und wieder zurück verwandeln. Er macht sich auf seien Rachefeldzug – sein Ziel: der Sheriff , der ihn eher zufällig hinter Gitter gebracht hat und dessen ganze Gemeinde

Kritik:
Man hat es hier mit einer waschechten Splatterkomödie zu tun. Der Beginn erinnert ein wenig an die Superhelden aus den Marvel-Comics, bei denen auch meistens eine Chemikalie die genetische veränderung hervorruft. Die Sprüche von Jack Frost sind cool und treffen die unterste Humorschublade. Darauf muss man schon gefasst sein, wenn man sich den Film ansieht. Die Gore-Effects sind gut gelungen, der Schneemann an sich hat aber nicht mal die Qualität einer selbstgebastelten Handpuppe. Das alles stört aber nicht den Unterhaltungswert des Films. Er ist witzig und hat für eine FSK16-Freigabe (die wirklich nur auf einer Verwechslung mit dem Film „Jack Frost – Der coolste Dad der Welt“ basieren kann) extrem derbe Splattereffekte. Bis hin zu einer Szene, in der eine Frau von einem Schneemann vergewaltigt wird (fragt euch nicht, warum man in dieser Szene die Karotte des Schneemanns nirgendwo entdecken kann ;-) ) wird man mit Einfällen überrascht, die man so nicht erwartet hat.

Eine Low-Budget-Produktion, der man das auch ansieht und die trotzdem das Zeug zu einem Kult-Party-Film hat. Trash in seiner besten Bedeutung.

8 von 10 Punkten.

Kommentar

GILBERT GRAPE

Gilbert Grape
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Inhalt:
Gilbert Grape (Johnny Depp) lebt in einem kleinen amerikanischen Kaff, genau an der Stelle, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen. Aber Langeweile kommt in seinem Leben nicht auf, dafür sorgt sein Job in einem Lebensmittelladen, der nur schwer gegen den neuen Supermarkt ankommt, und seine Familie, in der er seit dem Tod seines Vaters dessen Rolle übernommen hat. Sein größtes Sorgenkind ist sein geistig zurückgebliebener Bruder Arnie (Leonardo di Caprio). Aber auch seine Mutter, die seit dem Tode ihres Mannes vermutlich viermal soviel wiegt wie davor und sich seitdem auch nicht mehr aus dem Haus bewegt hat, und seine beiden Schwestern halten ihn auf Trab.
Eine Gruppe von Leuten die mit ihren Caravans durch die Weltgeschichte ziehen kommen in die Stadt. Becky (Juliette Lewis) und ihre Großmutter haben eine Panne mit Ihrem Wagen und müssen etwas länger bleiben, als eigentlich geplant. Gilberts aufopfernde Rolle für seinen Bruder beeindruckt Becky, Gilbert hingegen ist von ihrer Freiheit fasziniert, so verwundert es nicht, dass sich beide ineinander verlieben. Gilbert merkt nach und nach, dass für sein eigenes Leben kaum Zeit übrig ist. Und so würde es auch bleiben, wenn das Schicksal es nicht anders vorsehen würde…

Kritik:
Der Film strahlt eine unheimliche Ruhe aus und zieht seinen Zuschauer sanft mit durch Gilberts und Arnies Leben. Bei einem solchen Film wirken Werbeunterbrechungen noch störender als sonst, deswegen empfehle ich, ihn auf DVD oder sonst wie anzusehen. Eine wirkliche Handlung ist lange nicht zu erkennen, aber man erhält ein Kleinstadt-Psychogramm, wie es schöner nicht sein kann. Man kann sich weiden an den schauspielerischen Leistungen aller Figuren. Johnny Depp geht wie immer in seiner Rolle auf und leistet sich keine einzige Schwäche, und wie die Amerikaner es schaffen, sogar eine stark übergewichtige Frau (und ich meine wirklich sehr, sehr stark übergewichtig) zu finden, der man ansieht, was für ein wunderhübsches Gesicht sie mal gehabt haben muss, und die auch noch richtig gut spielen kann, wird mir immer ein Rätsel bleiben.
Die größte Leistung in dem Film bringt aber wohl Leonardo DiCaprio. Unglaublich, was an Talent in diesem Mann steckt. Schon damals hätte ihm ein Oskar gebührt. Seine Darstellung des behinderten Arnie, ich weiß nicht ob ich so was gutes überhaupt schon mal gesehen habe.
Eine gute, ruhige Regie und schöne Bilder runden alles ab und lassen einen über Längen, die zweifellos in dem Film auftauchen, gelassen hinwegsehen.

8 von 10 Punkten.

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TATTOO

Tattoo [Special Edition] [2 DVDs]
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Inhalt:
Der heruntergekommene Kommissar Minks holt sich einen jungen Partner an seine Seite: Marc Schrader, der gerade seinen Abschluss auf der Polizeischule gemacht hat und im Grunde eine ruhige Kugel schieben will, höchstens unterbrochen von seinen Rave- und Drogen-Exzessen.
Der erste Fall bringt den beiden eine tote, verkohlte Frau, aus deren Körper Hautstücke herausgeschnitten wurden. Als schon bald weitere Leichen auftauchen wird klar, dass es jemand auf deren Tätowierungen abgesehen hat.

Kritik:
Ein deutscher Thriller, da geht man automatisch erst mal in Fluchtstellung. Eigentlich ungerechtfertigt, denn in den letzten Jahren ist da durchaus gutes im Kino gelandet. TATTOO entstand im Jahr 2001, und wer bei dem Story-Plot an “Sieben” oder “Schweigen der Lämmer” denkt, liegt vollkommen richtig: David Fincher ist designiertes Vorbild des Regisseurs und Autors Robert Schwendtke.

Zu Beginn überrascht der Film mit gar nicht deutschen Bildern, eingetaucht in blasses, steriles grün, sorgfältig mit der Kamera aufgenommen. Die Charaktere werden stark gebrochen gezeichnet und von den Schauspielern wirklich überdurchschnittlich gut gespielt, das Filmdesign imitiert nicht den amerikanischen Film, gibt sich in der ersten halben Stunde aber auch nicht dem deutschen TATORT-Pathos hin.
Leider ändert sich das zur Mitte des Films hin. Aber da ist man noch von der Story gepackt, die wirklich faszinieren kann. Wenn man nun auch noch gegen Ende die Längen aus dem Film genommen und ein starkes Ende gefunden hätte, beziehungsweise das vorhandene Ende stark geschnitten hätte, könnte man als Zuschauer glücklich sein.
So aber findet man sich nach über 90 Minuten plötzlich in der Langatmigkeit wieder, wird gequält von zwar unerwarteten aber auch völlig sinnfreien Handlungs-Wendungen und kriegt schlussendlich ein ach-so-überraschendes offenes Ende mit dem Holzhammer um die Ohren gehauen, mit dem man den Film dann auch gleich vergessen darf. So sehr das Ende auf eine Fortsetzung setzt, so wenig wird diese realisiert werden.
Sound und Musik in dem Film sind genial: ein treibender Soundtrack und knackige, aber nicht übertriebene Soundeffekte sind auf einer Surround-Anlage eine wahre Freude.
Nicht unerwähnt bleiben sollen auch die teils derben Special-Effects, wenn es um die Wunden bei den herausgeschnittenen Hautstücken oder die Darstellung der Leichen in der Pathologie geht. Da haben sogar hartgesottene Splatter-Fans sicher ihre Freude daran. Der Film wurde nicht umsonst in China als Bootleg veröffentlicht. ;-)

Fazit:
Man wird größtenteils gut unterhalten, die schauspielerische Leistung in dem Film ist gemessen an heutigen Produktionen überdurchschnittlich gut. Gegen Ende zieht sich der Film, die Story-Auflösung enttäuscht leider, was aber niemanden abhalten sollte, sich den Film bei Gelegenheit mal anzusehen.
Momentan gibt es TATTOO als Beilage in der TVMovie 4/06, mit anamorphen Bild und knackigem Sound.

6 von 10 Punkten.

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HALLOWEEN (1978 - Extended TV-Fassung)

Halloween - Die Nacht des Grauens (Perfect Collection, 3 DVDs + Audio-CD)
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Auch ein Klassiker von John Carpenter, den man neben „The Fog“ gesehen haben muss, um mitreden zu können.
Der sechsjährige Michael Myers bringt in einer Halloweennacht unmotiviert und sinnlos seine Schwester um. Seitdem sitzt er katatonisch in einem Sanatorium. Er scheint mit seiner Lage weniger Probleme zu haben, als sein Arzt, der in Michael das Böse schlechthin sieht.
15 Jahre später gelingt Michael die Flucht - wieder ist es Halloween und in seiner Heimatstadt Haddonfield verfolgt Michael nur ein Ziel: Laurie zu töten. Warum auch immer. Für seinen Therapeuthen Dr. Loomis, stellt sich die Frage nicht, in seinen Augen braucht Michael keinen Grund zum töten.

Es handelt sich um einen ganz üblichen Schocker, wenn man es aus heutiger Sicht betrachtet. Natürlich steht Halloween in der Tradition von Psycho, aber er hat auch genug eigene Impulse geliefert, um seinen Platz in der Filmgeschichte zu haben. Nicht zuletzt, weil gerade der Handlungsaufbau natürlich auch die Reihen „Freitag der 13.“ und „Nightmare on Elm Street“ inspiriert hat - wenn man es Handlungsaufbau nennen will, wenn man Jugendliche eine Nacht verbringen und einen Massenmörder dazwischen immer wieder jemanden abstechen sieht. Ein bisschen was erfährt man von Michael, aber nicht genug, als dass man sagen könnte, man versteht was er tut. Mir fehlt hier wie bei „Freitag der 13.“ die Charakterisierung der Hauptfigur. Bei „Freitag der 13.“ weiss man gar nichts über Jason, gut, insofern hat „Halloween“ natürlich die Nase vorn, aber befriedigend ist es nun mal auch nicht. Dagegen ist Freddie Kruger ein guter alter Bekannter, so gut lernt man ihn im Laufe der Filme kennen. Aber vielleicht kommt das ja in den nächsten Folgen von Halloween auch noch, keine Ahnung, ich hab sie noch nicht gesehen. Im zweiten Teil (der nahtlos an den ersten anknüpft, eine wirklich geniale Idee) kommt dazu jedenfalls nichts.

Und bei so einem Charakterschwund stellt sich im Dialog mit einem fanatischen Arzt, der seinem Schutzbefohlenen Michael Betäubungsmittel geben will, damit dieser einem Gerichtsverfahren nicht folgen kann und verurteilt wird, die Frage, ob Michael trotz seiner Tat als Sechsjähriger nicht doch auch ein Produkt von Dr. Loomis ist, der seine Sicht des Bösen personifiziert haben will. Wer ist der oder das Böse – der Massenmörder oder sein Wärter?

Diese Vielschichtigkeit ist es wohl, die „Halloween“ zum Kultfilm werden lies. Lass ich den Kultcharakter weg bleiben nur wenige Schockeffekte, die zumindest aus heutiger Sicht nicht zahlreich genug mein Adrenalin hochspringen lassen. Aber neugierig wird man auf die nächsten Filme schon gemacht, das muss man auch sagen.

6 von 10 Punkten.

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GOTHIKA

Gothika
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Inhalt: Miranda Grey (Halle Berry) ist Psychologin und glücklich verheiratet mit ihrem älteren Vorgesetzten Douglas (Charles S. Dutton). Als sie eines Nachts auf der Nachhausefahrt einem Mädchen ausweichen muss, geht dieses auf Ansprache in Flammen auf und Miranda wird ohnmächtig.
Als Miranda wieder zu sich kommt, lernt sie die andere Seite ihrer Arbeit kennen: sie sitzt in ihrer eigenen Anstalt fest, als Mörder ihres Mannes und wird von ihrem Kollegen Pete (Robert Downey jr.) therapiert. Nur langsam und bruchstückhaft kommen die Erinnerungen zurück, als Miranda selbst merkt, dass sie schizoide Züge aufweist – das, oder es hat sich wirklich eine dunkle Macht auf sie gestürzt, wie es ihr von ihrer ehemaligen Patientin und jetzigen Mitinsassin Chloe (Penelope Cruz) prophezeit wurde…

Kritik: Gothika ist ein Psycho-Thriller. Nicht mehr und nicht weniger. Von der Story her gibt es da im Grunde nichts Neues zu sehen. Im Grunde, denn besonders macht diesen Film die explizite Darstellung einer psychische Krankheit. Man hat nach diesem Film eine Vorstellung von der Wahrnehmung eines schizoiden Menschen, was der Bildregie und dem schauspielerischen Können von Halle Berry zuzuschreiben ist. Wenn die Frau so weitermacht, werde ich noch ein Fan von ihr. Nach diesem Film hat man Angst, selbst einmal so hilflos da zu stehen, von Stimmen und Figuren verfolgt zu werden, und nichts dagegen unternehmen zu können. Man wird Respekt bekommen, vor den gepeinigten Menschen, die dies erdulden müssen. Und man wird sich die Frage stellen müssen, ob es tatsächlich eine Krankheit ist, oder ob da nicht doch die Möglichkeit besteht, dass die betroffenen Menschen einfach nur sensibler für außernatürliche Wahrnehmungen sind.
Das Ende des Filmes ist vorhersehbar, die sehr undurchsichtig dargestellte Rolle des grandios spielenden Robert Downey jr. wird leider nicht bis ins Ende herausgearbeitet.

Insgesamt ein wirklich sehenswerter und trotz eines Standard-Plots spannender Film, den man durchaus auch mehr als einmal anschauen kann.

Was sich mir übrigens wohl für immer verschliessen wird, ist, wie der Film zu seinem Titel kam. Der ist nämlich Grund dafür, dass ich ihn mir erst jetzt angesehen habe. Bisher dachte ich immer, das ist so ein Murks wie “Underworld” oder so… so kann man sich täuschen.

7 von 10 Punkten

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SAW 2

Saw
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Saw - Der Überraschungserfolg des Jahres 2005. Trotz einiger, für das heutige Kino recht derber, Gewaltsequenzen wurden etliche Leute ins Kino gezogen. Woher dieser plötzliche Wandel? Ein plötzlicher Trend zum brutalen Horrorkino? Nein, wohl eher die Tatsache, dass Saw neben diesen recht makaberen Szenen eine geniale, höchst spannende und beklemmende Story hat. Was schon bei “Sieben” faszinierte und anzog, brachte auch “Saw” den (zugegebenermaßen unerwarteten) Erfolg beim erwachsenen Publikum.
Nun, genau ein Jahr nach der Veröffentlichung des Überraschungshits, steht schon Teil 2 ins Haus. Was Fortsetzungen, vor allem die, die überaus schnell nach einem Erfolg hinterhergeschoben werden, anrichten können, ist hinlänglich bekannt. Nicht selten wird dabei sogar das Urwerk attackiert und nachträglich vermiest. Was soll man also von der Fortsetzung eines überaus genial durchdachtem Thriller halten, die bereits ein Jahr nach seinem Vorgänger fertig produziert war? Seit gestern können sich volljährige Deutsche selbst eine Meinung davon bilden.

Auch ich gehöre zu denjenigen, die dem Sequel sehr kritisch gegenüber standen. Mehr Opfer sollte der Film haben, mehr Blut sollte fließen, soviel hatte ich gehört. Doch was war mit der Story und den von Teil 1 gewohnten Wendungen? Mit einem Saw-T-Shirt auf der Brust gewappnet betrat ich also diesen Abend den Kinosaal, wohl vorbereitet darauf, ihn enttäuscht wieder verlassen zu müssen. Weshalb dem nicht so war und ich den Raum doch mit einem Grinsen verließ, möchte ich euch nun schildern.

Der Jigsaw-Killer ist noch immer nicht gefasst, einige Menschen ohne Hinweise vermisst. Nachdem die in einer eisernen Falle grausam zugerichtete Leiche eines Informanten von Detective Matthews gefunden und dieser am Tatort auch noch direkt vom Täter, der allem Anschein nach der Jigsaw-Killer ist, per Text an der Wand angesprochen wird, führen die Ermittlungen erstaunlich schnell zu einem Ziel: Der an Krebs erkrankte Psychopath wird gestellt. Doch als Detective Matthews über einen Monitor mitverfolgen mus, wie sein jugendlicher Sohn Daniel gemeinsam mit einer kleinen Bande Kriminellen gefangen gehalten wird, ist schnell klar, dass die schnelle Erfassung des Killers nur ein weiterer Teil seines perversen Spiels ist…

Wo Teil 1 noch recht bescheiden war und 2 Hauptpersonen, die Opfer des Jigsaw-Killers, in einem kleinen Raum einsperrte und hauptsächlich von Rückblenden lebte, schlägt der Nachfolger deutlich andere Töne an. Schauplatz ist ein großes Haus mit vielen Räumen, die Zahl der Gefangenen hat sich vervielfacht und der Handlungsfaden ist nun komplett chronologisch aufgebaut. Dies nimmt Neueinsteigern der “Serie” zwar einen Teil der Spannung, aber Kennern des ersten Teils wird einiges geboten. Actionreiche Szenen wechseln sich gekonnt mit ruhigen Dialog-Szenen ab, in denen man diesmal vielmehr über den Killer selbst und seine kranken Ansichten erfährt. Gerade weil der Vorgänger diese extremen Handlungswendungen beinhaltete und einem bei erneutem Ansehen des Films viel mehr wichtige Details auffielen, erwischt man sich nun bei dem Versuch, krampfhaft irgendwelche ähnlichen Hinweise zu finden - obwohl der Killer doch schon längst enttarnt ist und verhört wird. Die inhaltreichen und meiner Meinung nach viel intensiveren Dialoge (vor allem zwischen dem Jigsaw-Killer und Detective Matthews) machen einfach ungeheuer Spaß und geben dem Film den Reiz, der einen guten Thriller ausmacht. Die Anspannung und der Wille, endlich hinter noch mehr als das eigentlich Offensichtliche zu kommen, steigern sich den ganzen Film über immer mehr. Parallel dazu werden auch die Figuren hektischer, aggressiver und die Schnitte schneller.

Wie bereits erwähnt sollte das Sequel neben mehr Opfern auch einen gewohnt hohen oder sogar höheren Blutgehalt als der Vorgänger aufweisen. Beides trifft zu. Der Film startet relativ neutral, zeigt aber schon in der ersten halben Stunde, dass es hier nicht zimperlich zur Sache geht. Literweise Blut, viel Gewalt. Für einen Splatterfan erfreulich, doch was wird das, vielleicht schon bei Saw 1 geschockte, Publikum davon halten? Der in meinem Fall prall gefüllte Kinosaal nahm dies alles erstaunlich gelassen hin. Vielleicht ist es heutzutage doch nicht mehr nötig, die Gewalt im Off stattfinden zu lassen oder die Filme fürs Kino komplett zu verstümmeln. Das heutige Publikum wird nach meinem Eindruck jedenfalls nicht von diesen Szenen abgeschreckt. Nein, es scheint sogar von ihnen angezogen zu werden!

Auch die Schauspieler machen ihre Sache erfreulich gut. Zwar ist die aus “Eine himmlische Familie” bekannte Darstellerin Beverley Mitchell etwas deplatziert und ihre Rolle absolut sinnlos (da sie weder etwas besonderes in den Dialogen beiträgt noch eine eigene Falle gestellt bekommt), aber das verzeihe ich dem Film gerne bzw. ich sehe schnell darüber hinweg. An diesem Punkt sollte vielleicht auch noch erwähnt werden, dass die Synchronisierung nicht (wie vom Trailer angekündigt) schrecklich, sondern durchaus erträglich und teilweise sogar bemerkenswert gut ausgefallen ist. Die Wahl der Stimmen kann größtenteils überzeugen, die Beibehaltung der Jigsaw-Stimme aus dem ersten Teil war eine sehr gute Entscheidung.

Fazit: Abschließend ist eigentlich nur zu sagen, dass der Film endlich mal wieder eine gute Fortsetzung ist, die seinen Vorgänger keineswegs nachträglich schlechtmacht. Einige Änderungen im Stil, aber gleichzeitig auch die Beibehaltung vieler positiver Aspekte des ersten Teils und ein fast perfektes Ende machen den Film zum Pflichtprogramm für alle Fans des Genres und ersten Teils. Leute, auf die diese Beschreibung nicht zutrifft, dürfen trotzdem einen Blick riskieren.

Verdiente 9,5/10 Punkten

[EDIT by SINARIUS:

Ich hab den Film jetzt auch gesehen. Der Kritik von Dördi ist nicht viel hinzuzufügen, weswegen ich keine eigene schreiben werde.
Ein Punkt nur: ob Beverly Mitchel nun eine eigene Falle bekommen hätte oder nicht, kann man nicht wirklich sagen, da eine Kassette im Laufe des Films einfach nur achtlos weggeworfen wurde. Fakt ist, man sieht nicht so viele Fallen, wie es Gefangene gibt. Entweder ist das so gewollt, was verwundern würde, oder der Film wurde der Spannung zuliebe gerafft und daher auf einige Fallen verzichtet (was eigentlich schade ist, andererseits auf eine Directors-Cut-DVD hoffen lässt, die der ersten ebenbürtig ist).

Von mir bekommt der Film (nachdem ich keine Kommazahlen einführen will) 10 von 10 Punkten (jaja, ich weiss, ich wollte die Punkteschraube enger ziehen; kann auch nichts dafür, dass da jetzt so ein Reisser rauskommt, der alles in den Schatten stellt. ;-) ).]

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DER GRAUENVOLLE MR. X

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3 halbstündige Kurzgeschichten nach Edgar Allen Poe:

“Morella”: Morella (Vincent Price) trauert seit Jahren einsam in seinem Schloss seiner Frau hinterher. Als er nach 26 Jahren Besuch von seiner Tochter erhält, ist er nicht gerade begeistert, glaubt er doch immer noch, sie sei am Tode seiner Frau schuldig. Und die Tote scheint das auch zu glauben…

“Die schwarze Katze”: Montresor (Peter Lorre) ist ein Trinker, der seine junge Frau vernachlässigt. Wenn es aber um die eheliche Treue geht, hat er sehr bürgerliche Ansichten und ist durchaus rachsüchtig. Wenn man seine Frau und deren Liebhaber (Vincent Price) im Keller hinter einer Wand einmauert, sollte man seine Augen jedoch besonders offen halten…

“Der Fall Valdemar”: Valdemar (Vincent Price) lässt sich seine letzten Tage mit Hypnose höllische Schmerzen erträglicher gestalten, Als Danke-Schön gestattet er dem Hypnotiseur (Basil Rathbone), sich im Moment des Todes hypnotisieren zu lassen, um den Übergang in das ewige Leben dokumentieren zu können. Der Hypnotiseur hat aber nicht vor, Valdemar wieder los zu lassen…

Drei Edgar Allen Poe - Geschichten, fast immer mit Vincent Price in der Hauptrolle. Und alle drei ein Genuss für Liebhaber des alten, englischen Horror-Films. In der ersten kann Price so ganz seinem Shakespeare-Pathos fröhnen, in der zweiten gibt Peter Lorre einen genialen Trinker, der von einer schwarzen Katze aufs Korn genommen wird und in der dritten darf Basil Rathbone, der geniale s/w-Sherlock Holmes, die Kontrolle über den halbtoten Vincent Price übernehmen. Damals wusste man halt noch, wie man dem Zuschauer Angst macht.

Test

7 von 10 Punkten.

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FUTUREWORLD - Das Land von übermorgen (1976)

The Making Of Westworld [UK IMPORT]
Das Making-of
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Das Sequel zu “Westworld”: die Firma Delos, die vor ein paar Jahren wegen durchdrehender Roboter, die 90 Menschenleben auf dem Gewissen hatten, schliessen mussten, eröffnen wieder ihre Tore. Ihre Roboter sollen jetzt nicht nur sicherer, sondern auch viel besser sein. Dem einen oder anderem mögen sie vielleicht sogar ZU gut sein…

“Futureworld” ist tatsächlich mal ein im Grunde gelungenes Sequel. Das Thema wird aufgegriffen, aber nicht tot geritten, sondern in eine vollkommen neue Richtung gebracht. Warum man da Yul Brynner mit reinnimmt und ihn dann in vielleicht drei unwichtigen Szenen auftreten lässt, nur um ihn auf das Kinoplakat schreiben zu können, ist mir unklar. Notwendig wäre es nicht gewesen. Notwendiger schon eher, ihn entweder ganz raus zu lassen oder mehr zu involvieren.

Die Geschichte ist keine Wiederholung von “Westworld”, der Plot, den es während des Filmes herauszufinden gilt, ist ein vollkommen anderer. Keine durchdrehenden Roboter, aber Gefahr geht trotzdem von Futureworld aus.

Die Schauspieler spielen gut, Peter Fonda ist durchweg souverän. Die Effekte waren in den 70ern sicherlich innovativ. Musik und Kameraeinstellungen sind in jedem Fall ein Genuss. Das kann man vom Synchron leider nicht behaupten: die ständigen Hintergrundstimmen, das gequälte computerisierte Sprechen… es hört sich die ganze Zeit an wie bei “Raumschiff Orion”. Und einige Stimmen sind auch tatsächlich von dort wieder zu erkennen. Schade, aber so hat man sich das damals wohl vorgestellt. Dass es dann aber noch Textprobleme gibt, weil man sich nicht darauf einigen kann, ob man nun “Futureworld” oder “Zukunftswelt” sagt (um nur ein Beispiel zu nennen), das bin ich von 70er Jahre Synchron wirklich nicht gewohnt.

Dieser Film ist jedem zu empfehlen, der auf klassische SF-Filme steht, auch wenn er “Westworld” nicht gesehen hat. Der Film kann durchaus für sich alleine stehen, die Vorgeschichte wird kurz umrissen aber nicht breit getreten.

6 von 10 Punkten, weil ich mir einfach mehr Yul Brynner gewünscht hab.

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