Archiv für die 'Trickfilm-Serie' Kategorie

POPETOWN - Die Kritik

Popetown [UK IMPORT]
Bei Amazon
bestellbar!

Nun wurde sie also ausgestrahlt – die erste Folge einer Trickfilmserie, die kirchliche Vereine sogar verbieten lassen wollen. Da stellt sich die Frage, ob POPETOWN es überhaupt wert ist, dass man sich die Köpfe darüber heiß redet.

Die erste Folge einer Comedy-Sendung, sei es nun eine Sitcom oder sozialkritischer Zeichentrick a la „Die Simpsons“ oder „South Park“ dient vornehmlich der Charakterzeichnung. Insofern kann man aufgrund dieser einen Folge, die heute auf MTV ausgestrahlt wurde natürlich kein Gesamturteil über die ganze Serie abgeben. Aber Tendenzen zeigen sich durchaus – und die sehen nicht gerade gut aus für die Serie.

Der Papst ist ein siebenjähriges, sehr herrschsüchtiges und aggressives Kind, das ein gefundenes Fressen für die Super-Nanny wäre. Dessen rechte Hand ist der sehr progressive Pater Nicholas, der nicht nur unter den Unzulänglichkeiten seiner schwesterlichen Sekretärin zu leiden hat. Besonders auffällig ist noch eine sehr resolute und unangenehme Reporterin in Schwesternrobe, die grundsätzlich eine blonde Strähne um sich wehen lässt.
In der ersten Folge spielen der Papst und seine rechte Hand verstecken, der Papst geht dabei verloren und findet sich in der päpstlichen Hostien-Fabrik wieder, die angekettete Arbeiter am Fliessband arbeiten lässt.
Nachdem sich gehbehinderte Kinder schon unbändig auf den Papst freuen, dieser jedoch gerade nicht greifbar ist, muss sich Pater Nicholas etwas einfallen lassen: er besorgt sich einen Papst-Doppelgänger, der drei kleine Fehler hat: er hat nicht die kindliche Stimme, er ist eine Rampensau, und er ist… Jude.
Es kommt, wie es kommen muss, der Papst-Doppelgänger ist viel geeigneter als Repräsentant, vor allem viel beliebter, weswegen Pater Nicholas den echten Papst erst mal in der Hostien-Fabrik schmoren lässt und große Show-Pläne mit dem jüdischen Papst schmiedet.
Der echte Papst befreit sich mit Wrestling-Griffen und einer MP aus der Hostien-Fabrik und erkämpft sich seinen Stuhl zurück, Pater Nicholas kann ihn gegen Ende aber mit seiner Lieblingsspeise beruhigen…

So weit, so schlecht: von sozial- oder gar Kirchenkritik ist weit und breit höchstens ansatzweise etwas zu sehen, etwa die drei Kardinäle, die nicht davor zurückschrecken, behinderte Kinder für ihre vornehmlich finanziellen Zwecke einzusetzen… da frag ich mich nur, wo die Satire ist, aber ok.

Technisch gesehen ist POPETON durchaus interessant: klassischer „South Park“-Stil wird hier gemischt mit Computeranimierten Hintergründen, was wohl auch die schnelle Produktionsweise erklärt. Gut aussehen tut es, aber das macht halt leider die Geschichte nicht besser.

Zur deutschen Bearbeitung: das Synchron ist nach deutschem Standard gut geworden, es wurden auch erfahrene Sprecher eingesetzt. Die Stimme des siebenjährigen Papstes wird vielen bekannt vorkommen, und wenn man die Augen schließt, sieht man Bart Simpson auf seinem Skateboard durch den Vatikan sausen.
Nichts gegen Sandra Schwittau, das ist eine langjährige, (meistens) liebe Kollegin von mir, die kann wahrlich nichts dafür, dass heutige Redaktionen einfach nichts mehr drauf haben und nach einem einfachen Rezept vorgehen: eine neue Serie wird eingestuft nach altbekannten, schon erfolgreichen Serien, und deren Stimmen nimmt man dann. So hört man in jeder Mysterie-Serie die Stimmen von AkteX, und in so einer modernen Trickfilmserie eben Bart Simpson… schwach, ganz schwach, vor allem, weil sich Sandra beim sprechen tödlich gelangweilt haben muss, vorausgesetzt, POPETOWN bleibt auf diesem Niveau. Aber das zeichnet gute Synchronsprecher aus: auch dann geben sie ihr Bestes, wie gesagt, an der Sprecher-Leistung selbst ist auch nichts auszusetzen.
Zusammenfassend: POPETOWN ist wahrlich kein Renner, technisch interessant, und die Leistung der Serie liegt vornehmlich darin, wieder mal Diskussionen ausgelöst zu haben, die wir dringend brauchen – denn irgendwann wird die Kernfrage gestellt werden: darf es Zensur in Deutschland geben? Und ich hoffe, dass wir nach der Beantwortung dieser Frage noch in einer Demokratie leben.

Bewertung nach der ersten Folge:

3 von 10 Punkten, denn ein als Kreuz getarnter Pogo-Hüpfstock reicht wahrlich nicht aus, um meine Lachmuskeln zu kitzeln.

Kommentare (1)