Archiv für die 'Tragikkomödie' Kategorie

GILBERT GRAPE

Gilbert Grape
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Inhalt:
Gilbert Grape (Johnny Depp) lebt in einem kleinen amerikanischen Kaff, genau an der Stelle, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen. Aber Langeweile kommt in seinem Leben nicht auf, dafür sorgt sein Job in einem Lebensmittelladen, der nur schwer gegen den neuen Supermarkt ankommt, und seine Familie, in der er seit dem Tod seines Vaters dessen Rolle übernommen hat. Sein größtes Sorgenkind ist sein geistig zurückgebliebener Bruder Arnie (Leonardo di Caprio). Aber auch seine Mutter, die seit dem Tode ihres Mannes vermutlich viermal soviel wiegt wie davor und sich seitdem auch nicht mehr aus dem Haus bewegt hat, und seine beiden Schwestern halten ihn auf Trab.
Eine Gruppe von Leuten die mit ihren Caravans durch die Weltgeschichte ziehen kommen in die Stadt. Becky (Juliette Lewis) und ihre Großmutter haben eine Panne mit Ihrem Wagen und müssen etwas länger bleiben, als eigentlich geplant. Gilberts aufopfernde Rolle für seinen Bruder beeindruckt Becky, Gilbert hingegen ist von ihrer Freiheit fasziniert, so verwundert es nicht, dass sich beide ineinander verlieben. Gilbert merkt nach und nach, dass für sein eigenes Leben kaum Zeit übrig ist. Und so würde es auch bleiben, wenn das Schicksal es nicht anders vorsehen würde…

Kritik:
Der Film strahlt eine unheimliche Ruhe aus und zieht seinen Zuschauer sanft mit durch Gilberts und Arnies Leben. Bei einem solchen Film wirken Werbeunterbrechungen noch störender als sonst, deswegen empfehle ich, ihn auf DVD oder sonst wie anzusehen. Eine wirkliche Handlung ist lange nicht zu erkennen, aber man erhält ein Kleinstadt-Psychogramm, wie es schöner nicht sein kann. Man kann sich weiden an den schauspielerischen Leistungen aller Figuren. Johnny Depp geht wie immer in seiner Rolle auf und leistet sich keine einzige Schwäche, und wie die Amerikaner es schaffen, sogar eine stark übergewichtige Frau (und ich meine wirklich sehr, sehr stark übergewichtig) zu finden, der man ansieht, was für ein wunderhübsches Gesicht sie mal gehabt haben muss, und die auch noch richtig gut spielen kann, wird mir immer ein Rätsel bleiben.
Die größte Leistung in dem Film bringt aber wohl Leonardo DiCaprio. Unglaublich, was an Talent in diesem Mann steckt. Schon damals hätte ihm ein Oskar gebührt. Seine Darstellung des behinderten Arnie, ich weiß nicht ob ich so was gutes überhaupt schon mal gesehen habe.
Eine gute, ruhige Regie und schöne Bilder runden alles ab und lassen einen über Längen, die zweifellos in dem Film auftauchen, gelassen hinwegsehen.

8 von 10 Punkten.

Kommentar

THE SUNSHINE BOYS mit Woody Allen und Peter Falk

The Sunshine Boys
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Ein ehemaliges Komiker-Duo soll nach 8 Jahren Trennung wieder zusammen in einem Film auftreten. So sehr sich ihre Umwelt aber auch bemüht, die beiden streiten sich nach kürzester Zeit wieder, und das obwohl jeder vom anderen insgeheim rein fachlich gesehen nur das Beste hält.

Das Theaterstück “The Sunshine-Boys”, auf deutsch meistens “Sunny Boys”, von Neil Simon wurde ja schon häufiger verfilmt. Zum ersten mal wohl 1975 mit Walther Matthau und George Burns. Neil Simon ist ein Grossmeister der Comedy, es gibt wohl keinen Autor, der sich mit Komik beschäftigt, und nicht zumindest ein Lehrbuch von Neil Simon gelesen hat.

Eine deusche Version gibt es übrigens auch: mit Dieter Hildebrandt und Werner Schneider, eigentlich ein Mitschnitt einer Theateraufführung. Wer diese Version mal im TV entdeckt, dem kann ich nur empfehlen, sich das nicht entgehen zu lassen.

Die Gags in “The Sunshine Boys” sind zeitlos, in dieser Version von 1995 mit Woody Allen und Peter Falk sind sie aber sogar noch ein wenig aufgefrischt worden, was wohl Woody Allen zuzuschreiben ist, der, bevor er berühmt wurde, ja Gagautor für viele Komiker gewesen ist. Woody Allen mal in einem nicht von ihm selbst geschriebenen Stoff als alten vor-senilen Komiker Al Lewis zu erleben und als Gegenpart Peter “Columbo” Falk als hervorragend grantelnden Willy Clark - das ist schon einmalig. Vor allem zeigt es auch, was für gute Schauspieler die beiden wirklich sind, sind sie doch sonst so oft in ihren eigenen Klischees gefangen, zumindest in den Köpfen der Zuschauer. Beide füllen ihre Rollen aus und geben ihnen sogar noch mehr, als im Original vorgesehen ist. Eine Augenweide und ein Angriff auf die Lachmuskeln.

Dass da noch Sarah Jessica Parker (”Sex and the City”) als Willys Nichte mitspielt und Whoopie Goldberg einen wunderbaren Gastauftritt hat, ist das Sahnehäubchen.

10 von 10 Punkten. Sowohl wegen dem zeitlosen Stoff, wegen der hervorragenden Schauspieler, als auch wegen der unauffällig aufgefrischten Dialoge.

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DON JUAN DeMARCO

Don Juan DeMarco
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Don Juan lebt! Er geistert durch die Gegenwart, verführt Frauen und will sich, weil er DIE EINE nicht haben kann, umbringen. Deshalb landet er in einer psychiatrischen Klinik. Aber wer ist der junge Mann denn nun wirklich? Und was steckt hinter seinen Fantasien, die so sehr mit der Realität verknüpft sind, dass man nicht weiss, ob Don Juan verrückt ist, oder einfach nur ein unheilbarer Romantiker, der jeden in seinen Bann zieht.

Ein wunderschöner, romantischer Film, witzig, nachdenklich, mit einem hervorragendem Johnny Depp und einem perfekten Marlon Brando als Psychiater. Das besonders schwere Synchron in diesem Film wurde perfekt umgesetzt. Auch immer wieder sehenswert… und ansteckend.

Nur als kleine Nebenbemerkung: Don Juan wird in diesem Film als der grösste Liebhaber der Weltgeschichte bezeichnet. Nun kennt jeder auch noch Casanova. Der eigentliche Unterschied zwischen den beiden Originalcharakteren ist ja, dass Don Juan derjenige mit dem schwarzen Büchlein ist, der Frauen sammelt und sie, sobald er sie sexuell hatte, fallen lässt. Casanova hingegen geniesst jede Frau, verehrt sie, hebt sie in den Himmel.
Don Juan in diesem Film ist eine Mischform: er hat viele Frauen und hebt sie in den Himmel, er hat im Grunde nichts mit der Originalfigur Don Juan zu tun, sondern ist ein echter Romantiker, kein Weiberheld. Das sollte man wissen, wenn man sich fragt, ob dieser Film für einen was ist, damit man nicht mit falschen Erwartungen ran geht, sofern man sich mit dem Don Juan Mythos auskennt, der schon all zu oft in die falsche Ecke gedrängt wurde.

10 von 10 Punkten.

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