Archiv für die 'Drama' Kategorie

DIE SPIELERIN

Die Spielerin. Erotischer Roman.
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Fernsehfilm nach Motiven des Romans «Der Spieler» von Fjodor Dostojewski (1821-1881).

Die wohlhabende Polina (Hannelore Elstner) trifft in einem Nobelhotel auf den sich offensichtlich in finanziellen Schwierigkeiten befindlichen Anwalt Friedrich Mühlbichler (Erwin Steinhauer). Dieser verführt Polina das erste Mal zum Roulette-Spiel, was für Polina einen Wendepunkt in ihrem Leben darstellt. Denn als Friedrich verhaftet wird, will sie, sie ist ja ein Glückskind, die Kaution für ihn erspielen. Während Friedrich an seiner Verteidigung arbeitet, rutscht Polina in den Strudel eines Spielsüchtigen und verzockt ihr gesamtes Vermögen, vom Bargeld über das Haus bis hin zu ihren Aktien.
Als Friedrich, im eigenen Gerichtsverfahren nicht unglücklich, Polinas Spielsucht herausfindet, ist es schon zu spät, Polina wird nie aufhören, solange zu spielen, bis sie nichts mehr hat, weil sie ihrem verlorenem Geld hinterher läuft.

Der 90-minütige Fernsehfilm, der unter der Regie von Erhard Riedlsperger entstanden ist, zeigt ein nicht gut recherchiertes Psychogramm einer Spielerin und der Umgebung. Positiv hervorzuheben sind die schauspielerischen Leistungen der Hauptdarsteller, die bis in die kleinste Rolle gute Besetzung, und die interessante und phantasievolle Kameraführung. Überhaupt nicht gelungen ist das drum herum: kein Besucher einer Spielbank sagt häufiger als einmal zu der Zero „Null“ – und diese Null zieht sich durch den ganzen Film. Ebenso wie andere Ungereimtheiten, die denjenigen, die häufiger Spielbanken besuchen, spanisch vorkommen dürften. Viel Geld wurde auch nicht für Komparsen ausgegeben, so findet man in diesem Film eine Idealform von Spielbanken vor, an denen man jederzeit einen Platz am Roulettetisch bekommt ohne in Atemnot zu geraten, ganz zu schweigen von den gut gekleideten Menschen drum herum: alles Dinge, die heutzutage einfach nicht mehr stimmen.
Die Darstellung der spielsüchtigen Frau hingegen gerät Hannelore Elsner ausgesprochen gut. Wie ein Junkie sitzt sie vor den Spielautomaten und hämmert auf die Tasten ein, geradezu nach ein bisschen Glück bettelnd. Schade, dass diese Szene durch ihr Ende vom Drehbuchautor versaut wird: natürlich wird angesagt, wie viele Spiele man auch am Automaten noch machen darf („Die letzten drei Spiele bitte.“), aber niemals, wirklich NIEMALS, wird, solange sich noch ein Spieler im Gebäude befindet, einfach der Strom ausgemacht. Noch vorhandenes Geld darf niemals einfach so verloren gehen, gerade bei dieser Szene dürften einige Spielbankenchefs erbost aufgeschrieen haben.

Insgesamt dank der Schauspieler und der Kamera ein trotzdem noch sehenswerter Film, auch wenn die Recherche um das Spielbankgeschehen und auch die Entwicklung eines süchtigen Spielers einfach zu kurz gekommen sind. Viel Richtiges lernt man in diesem Film nicht, visuell und schauspielerisch wird man jedoch verwöhnt.

Schauspielerische Leistung: 8 von 10 Punkten
Bildgestaltung: 8 von 10 Punkten
Buch / Regie: 4 von 10 Punkten

Gesamtbewertung: 5 von 10 Punkten

Kommentar

KING KONG (2005)

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Es war noch zu Zeiten, in denen der „Herr der Ringe“ um Oskars kämpfte und im Fantasy-Wettstreit mir „Harry Potter“ lag, da hörte ich das erste Mal das Gerücht, dass Peter „Bad Taste“ Jackson einen absoluten Klassiker der Filmgeschichte adaptieren will: King Kong. Ich hielt das lange für eine Schnapsidee, denn das sagte Peter Jackson immer, wenn er einen Film fertig gestellt hatte. Als es dann offiziell wurde, glaubte ich immer noch nicht an einen großartigen Erfolg. Aber na ja, irgendwas muss ein Regisseur, der gerade einen jahrzehntelang als unverfilmbar geltenden Stoff erfolgreich doch verfilmt hat, ja tun.
WARUM, so fragte ich mich, sollte man King Kong wieder mal neu verfilmen, das letzte Remake aus den 70ern hätte eigentlich eine Warnung sein sollen, dass man an den Charme und die Intensität des Originals nicht rankommt.
Tja, die Antwort liefert Peter Jackson mit seinem fast drei Stunden dauernden Film, bei dem ich mich letzten Endes fragen muss, welcher Film denn nun wirklich der Beste im Jahr 2005 gewesen ist: „Star Wars 3“ oder „King Kong“. Sicher ist nur, dass Peter Jackson einen Film von einem Filmfan für Filmfans gemacht hat und so einige altgediente (um nicht zu sagen ausrangierte) Regisseure in ihre Schranken verwiesen hat.
Und warum um alles in der Welt habe ich diese Review nicht vor ein paar Monaten geschrieben, als ich den Film zum ersten Mal gesehen habe? Ich habe keine Ahnung, und war erstaunt, dass ich heute doch nicht nur eine DVD Review, sondern tatsächlich den ganzen Film besprechen muss.

Inhalt:
Die 30er Jahre in Amerika. Der Film, vor allem der Tonfilm, ist noch sehr neu, und die Leute die für ihn arbeiten sind dementsprechend enthusiastisch. Der Regisseur Carl Denham (gespielt von „School of Rock“ Hauptdarsteller Jack Black) hat einen Film in der mache, der von den Produzenten gefallen lassen wird. Für ihn beginnt ein Wettlauf um seine Karriere, wenn er sein Team an Board eines Schiffes peitscht, das Kurs auf die unbekannte Insel „Skull Island“ nimmt. So nebenbei findet er noch auf dem Weg zum Hafen die perfekte Darstellerin für die weibliche Hauptrolle, Ann Darrow (Naomi Watts).
Auf der Insel findet sich nicht nur die perfekte Kulisse für Denhams Film. Neben nicht gerade freundlichen Eingeborenen laufen einem längst ausgestorbene Dinosaurier, überlebensgroße Tausendfüßler, Fledermäuse und Spinnen und ein Riesenaffe über den Weg. Letzterer wird King Kong genannt. Der Rest ist (Film-)Geschichte. Kong wird gefangen, zum Big Apple gebracht, auf dem Broadway ausgestellt, vermisst seine Liebste, sucht sie in einem zerstörerischen Kampf gegen die Großstadt, besteigt mit ihr das Phallussymbol schlechthin, das Empire State Building und wird vom Militär danieder gestreckt.

Inszenierung:
kong2 Meine Güte, was für ein Feuerwerk. Der Film ist von der ersten Sekunde an bis zur letzten ein Fest. Ein Fest an darstellerischem Musterkönnen, an technischer Perfektion, an perfekten Special Effekts. Und dennoch hat es Jackson geschafft, dem Original treu zu bleiben, ihm eher noch eine Note dazu zu geben, als ihm zu schaden. Aber King Kong ist auch das perfekte Pflaster, um endlich mal klar zu stellen, wer der beste Regisseur der Gegenwart ist. Und das, ohne der Vorlage untreu zu werden (JA, es gab Dinosaurier im Original, JA, es gab auch die Riesenspinnen, die legendäre Szene ist aus dem Originalfilm nach einem Test-Screening herausgeschnitten worden und seitdem verschollen, weil die Zuschauer über nichts anderes mehr gesprochen haben, und die Hauptrolle hatte nun mal King Kong). Jackson kann bessere Dinos als Spielberg erschaffen und sie um Längen besser in Szene setzen. Er kann auch bessere Riesenspinnen zeigen, als man sie jemals in Harry Potter zu Gesicht bekam. Er ist sogar besser, als dieser Typ, der „Herr der Ringe“ gedreht hat, meine Güte. Der Mann ist ein Phänomen. Warum „King Kong“ bei den Oskars in diesem Jahr so übergangen wurde und stattdessen Machwerke beachtet wurden, die man nicht mal in einem Atemzug mit „King Kong“ nennen will, wird mir immer ein Rätsel bleiben.
Jackson schafft es wie kein zweiter, perfekte SFX mit einer genialen Geschichte zu verbinden und den Schauspielern immer noch genug Luft zum schöpferischen Atmen zu lassen. Der allgegenwärtige Thomas Kretschmann, Jack Black, Naomi Watts, jede einzelne Figur wurde mit Liebe ausgesucht und perfekt in Szene gesetzt. Die schauspielerischen Leistungen sind ohne Einschränkung als perfekt zu werten.
kong1 Der animierte King Kong ist das Beste, was man sich vorstellen kann, er ist atemberaubend realistisch. Wo früher Stop-Motion-Puppen im (auch heute noch fesselnden) Original die Schauspieler in manchen Szenen ersetzten, wurden hier computeranimierte Schauspieler-Doubles eingesetzt, die man nicht ein einziges Mal entdecken kann.
Das New York der 30er… nicht mal Filme die in den 30ern entstanden sind, haben es so gut dargestellt.
Einige Szenen zeigen, dass Jackson eine Hommage an seinen Lieblingsfilm drehen wollte. Der schier unglaubliche Kampf zwischen King Kong und den Dinos, der schon im Original den Atem stocken lässt (auch heute noch!), die Spinnenszene, die jedem Fan abgeht, teilweise sind ganze Einstellungen fast 1 zu 1 übernommen und in die heutige Filmsprache übersetzt. Einzig der Zusammenhalt der Schiffscrew mit der Filmcrew, der im Original grenzenlos schien, wurde von Jackson eliminiert. Klar: ein paar Figuren wurden anders gezeichnet, ein paar hinzugefügt, andere weggelassen, aber es wurde kein anderer Film gedreht. Sogar ein paar Dialoge kann man wieder erkennen. Diesen Film anzusehen macht einfach Spaß, ihn mit dem original zu vergleichen ist schier eine Offenbarung.

Es mag an mir liegen, dass ich bei den Vernichtungsszenen in New York die ganze Zeit an den 11. September denken musste. Damals hatte sich am darauffolgenden Tag ein Kollege versprochen und statt „Twin Towers“ „Empire State Building“ gesagt. Meine Bemerkung darauf war: „Nein, nein, es war der Twin Tower, der eingestürzt ist. Das mit dem Empire State Building war King Kong.“
Ich glaube trotzdem, dass die umherfliegenden Flugzeuge und der zerstörungswütige King Kong nicht nur mir diese Assoziation bringt.
Was mir nach der ersten Begegnung mit King Kong gefehlt hat, seine emotionsgeladene Liebe zur weißen Frau, das hat Jackson mehrfach gut gemacht in den romantischen Szenen, wenn Kong sehnsüchtig in den Sonnenuntergang schaut oder mit seiner Liebe auf dem zugefrorenen See schlittert.

King Kong - Produktionstagebücher (2 DVDs)
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Die nun erschienene DVD ist als perfekt anzusehen: Bild und Ton sind hervorragend, und der Bonus zeigt, was Filmliebhaber sehen wollen. Als dringende Ergänzung empfehle ich die schon zum Kinostart erschienene 2-er DVD „King Kong: Produktionstagebücher 1 bis 55“. Insgesamt hat man ein Werk in der Hand, aus dem Filmstudenten mehr lernen können, als jemals aus einem mehrjährigen Studium.

Bewertung:
Film: 11 von 10 Punkten ;-)
Schauspieler: 10 von 10 Punkten
SFX: 10 von 10 Punkten.

PS: Nur um es hier auch nochmal erwähnt zu haben. JACKSON FOR POTTER-UNIVERSE! Nur dieser Mann kann die letzten drei Potter-Filme noch retten!!!!

PPS: Meine Bewertung von King Kong (2005) vom Januar 2005 aus einem Forum, hauptsächlich deswegen interessant, weil ich am selben Tag auch das Original gesehen hab:

Ich hab an ein und dem selben Tag sowohl den Film von 1933 als auch den neuen Jackson gesehen.

King Kong und die weiße Frau
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Erst mal zum Original: ich hatte ganz vergessen wie spannend und genial dieser Film ist. Wahnsinn, man ist auch mit der Stop-Motion-Technik voll im Geschehen.

Jackson hat einen glanzvollen Spagat geschafft: den Spagat zwischen Remake und Neuinterpretation. Er hat Rollen und Bilder übernommen, an einigen Stellen abgeändert (manchmal zu meinem Leidwesen, denn der Zusammenhalt der Schiffscrew im Original hat mir sehr gut gefallen), er hat den Focus gerade in der Beziehung zwischen Frau und Gorilla verschoben und trotzdem dem Original gehuldigt - schade dass King Kong nicht ganz so “süss” wie im Original ausgefallen ist, zumindest nicht von Anfang an, gegen Ende des Films kommt das dann erst. Manchmal zitiert Jackson 1:1, samt Bildeinstellung, Text und Überblendung, an anderen Stellen verändert er es, dass es entweder weh tut oder erfreut, es aber immer passend und genial ist. Wie ein Puzzle, in dem man altes und neues herausfinden und vergleichen muss.

Dass die SFX genial sind, muss man nicht erwähnen - Jackson macht in der Regie-Riege einen Rundumschlag, zeigt z.B. dass er bessere Dinos zustande bringt, als Spielberg in Jurassic Park, einen besseren “Godzilla” als Emmerich, und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen bringt er die absolut neuen und genialen Insekten. Besser gehts eigentlich gar nicht mehr.

Die fast 3 Stunden vergehen wie im Fluge - deswegen nehm ich meinen Kommentar von vor über einem Jahr zurück:

Sinarius hat folgendes geschrieben::

Splatteralex hat folgendes geschrieben::
Gibts eigentlich News zum Thema?

Ja… hab gehört, dass der Film “King Kong” recht affig werden soll… *hüstel*

;-)

10 von 10 Punkten - sowohl für Original als auch für die Neuverfilmung 2005.

Kommentar

GILBERT GRAPE

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Inhalt:
Gilbert Grape (Johnny Depp) lebt in einem kleinen amerikanischen Kaff, genau an der Stelle, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen. Aber Langeweile kommt in seinem Leben nicht auf, dafür sorgt sein Job in einem Lebensmittelladen, der nur schwer gegen den neuen Supermarkt ankommt, und seine Familie, in der er seit dem Tod seines Vaters dessen Rolle übernommen hat. Sein größtes Sorgenkind ist sein geistig zurückgebliebener Bruder Arnie (Leonardo di Caprio). Aber auch seine Mutter, die seit dem Tode ihres Mannes vermutlich viermal soviel wiegt wie davor und sich seitdem auch nicht mehr aus dem Haus bewegt hat, und seine beiden Schwestern halten ihn auf Trab.
Eine Gruppe von Leuten die mit ihren Caravans durch die Weltgeschichte ziehen kommen in die Stadt. Becky (Juliette Lewis) und ihre Großmutter haben eine Panne mit Ihrem Wagen und müssen etwas länger bleiben, als eigentlich geplant. Gilberts aufopfernde Rolle für seinen Bruder beeindruckt Becky, Gilbert hingegen ist von ihrer Freiheit fasziniert, so verwundert es nicht, dass sich beide ineinander verlieben. Gilbert merkt nach und nach, dass für sein eigenes Leben kaum Zeit übrig ist. Und so würde es auch bleiben, wenn das Schicksal es nicht anders vorsehen würde…

Kritik:
Der Film strahlt eine unheimliche Ruhe aus und zieht seinen Zuschauer sanft mit durch Gilberts und Arnies Leben. Bei einem solchen Film wirken Werbeunterbrechungen noch störender als sonst, deswegen empfehle ich, ihn auf DVD oder sonst wie anzusehen. Eine wirkliche Handlung ist lange nicht zu erkennen, aber man erhält ein Kleinstadt-Psychogramm, wie es schöner nicht sein kann. Man kann sich weiden an den schauspielerischen Leistungen aller Figuren. Johnny Depp geht wie immer in seiner Rolle auf und leistet sich keine einzige Schwäche, und wie die Amerikaner es schaffen, sogar eine stark übergewichtige Frau (und ich meine wirklich sehr, sehr stark übergewichtig) zu finden, der man ansieht, was für ein wunderhübsches Gesicht sie mal gehabt haben muss, und die auch noch richtig gut spielen kann, wird mir immer ein Rätsel bleiben.
Die größte Leistung in dem Film bringt aber wohl Leonardo DiCaprio. Unglaublich, was an Talent in diesem Mann steckt. Schon damals hätte ihm ein Oskar gebührt. Seine Darstellung des behinderten Arnie, ich weiß nicht ob ich so was gutes überhaupt schon mal gesehen habe.
Eine gute, ruhige Regie und schöne Bilder runden alles ab und lassen einen über Längen, die zweifellos in dem Film auftauchen, gelassen hinwegsehen.

8 von 10 Punkten.

Kommentar

ED WOOD

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Nachdem momentan “Charlie und die Schokoladenfabrik” so ein Renner ist, und Tim Burton in der Regie und Johnny Depp als Hauptdarsteller schon mal erfolgreich zusammen gearbeitet haben, ist es eigentlich an der Zeit, sich diesen Film mal wieder anzusehen: “ED WOOD”.

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“ED WOOD” ist mehr als ein Film über den schlechtesten Regisseur aller Zeiten (und ich sage das mit allem Respekt), er ist eine Hommage an den Trash-Film, dessen Meister Ed Wood nunmal gewesen ist.

Inhalt: Ed Wood will Filmemacher werden und seinem Vorbild Marlon Brando nacheifern. Und er hat den Biss dazu, sich in der Filmwelt durchzusetzen, eindeutig. Nur seine Themen und seine Regie, die taugen nichts. Dennoch schafft er mehr, als viele, vielleicht talentiertere, Möchtegern-Regisseure, die einfach nicht den Arsch hochkriegen und ihre Visionen durchsetzen. Dass er den alternden und fast vergessenen Horror-Star Bela Lugosi, abgetakelt und drogensüchtig, kennenlernt und als Freund gewinnt ist sein erster starker Motivationsschub… im Laufe des Films gibt ihm Marlon Brando hinself einen weiteren, wenn Ed Wood erkennt, dass Brando zwar die besseren Filme macht und mit mehr Geld arbeitet, aber mit genau den selben Problemen kämpft.

Kritik: Tim Burton hat hier einzigartiges geschaffen. Der Kunstgriff, den Film in schwarz-weiss zu drehen, das ist mehr als nur ein Gag, es versetzt den Zuschauer in die richtige Stimmung. Man lernt Bela Lugosi, hervorragend von Martin Landau gespielt, auf eine Weise kennen, wie es mit keiner Biographie der Welt über den DRACULA-Star aus den 30ern möglich gewesen wäre (viele sagen, er sei der beste Dracula aller Zeiten, wer mich kennt weiss, dass das immer noch Christopher Lee für mich ist). Man lernt noch den echten Enthusiasmus der Filmleute kennen (den man heutzutage nur all zu oft vermisst), man bekommt Einblick in die harte Welt des Low-Budget-Films… gut es mag romantisiert sein, aber dieser Film gibt jedem, der selbst vom Filmen träumt Kraft und Mut. Da sieht man begeistert einen Bill Murray in einer kleinen Rolle und erkennt, dass ein guter Schauspieler mit nur ein paar Gags auch aus kleinen Rollen das Maximale rausholen kann.

Dieser Film ist ein einziges Fest, eine Hommage an alle Verrückten aus der Filmbranche, man wird von einem Extrem ins nächste geworfen. Für mich der bis dato beste Film von Tim Burton.

10 von 10 Punkten, denn perfekter und amüsanter kann man ein Genre, diverse reale Charaktere und einen speziellen Film nicht in einem Spielfilm dokumentieren.

Kommentar

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–== SPOILER-WARNUNG! ==–

Oskars in den Kategorien “Bester Film”, “Beste Regie”, “Beste Hauptdarstellerin” und “Bester Nebendarsteller”… das ist eine ganze Menge für einen Mann, dessen erster Auftritt auf der Kinoleinwand keine 10 Sekunden in “TARANTULA” dauerte, der dann eine amerikanische Westernserie spielte, zum Italo-Western-Vorzeige-Star avancierte und 1971 seine erste Regie-Arbeit mit “SADISTICO” ablegte. Ein furchtbares Stück Krimi, ich glaube nicht, dass damals irgend jemand geglaubt hätte, dass aus Clint Eastwood in Punkto Regie jemals etwas werden kann. Nun ja, vielleicht war er auch abgelenkt damals, denn im selben Jahr spielte er zum ersten Mal DIRTY HARRY und etablierte damit einen Charakter-Typus, der überhaupt erst zu Filmen wie “RAMBO”, “TERMINATOR” und dergleichen führen konnte.

Ein Boxer-Drama diesmal also, noch dazu in dem recht jungen Millieu der weiblichen Boxer, das zumindest deutschlandweit nur durch eine Frau bekannt geworden ist: Regina Halmich. Ich möchte einen etwas patriotischen negativen Punkt gleich zu Beginn los werden: Clint Eastwood scheint irgendwas gegen die Deutschen zu haben. In seinem Film ist die deutsche Weltmeisterin eine ehemalige Hure aus der DDR. Da stört es auch nicht, dass sie schwarz ist, genauso wie die Trainer, und dass sie das auslösende Moment zur Katastrophe ist. Dass dann noch ein deutscher Schäferhund erwähnt wird, dessen Hinterbeine nicht mehr funktionieren und der sich unter dem Gelächter anderer nur noch mit den Vorderpfoten fortbewegen kann, ist eigentlich nur die Krone. So daneben geschrieben hat Eastwood noch nie eine Rolle, ich versteh einfach nicht was ihn da geritten hat. Es blieb nicht der einzige dramaturgische Fehlgriff in dem Film.

Dabei fängt alles sehr gut an. Clint Eastwood spielt einen alternden Boxtrainer. Und ich finde es beachtlich, dass ein Mann, der Rollen wie Callahan und Dirty Harry gespielt hat, im Alter kei Problem darin sieht, einen alten Mann zu spielen. Da sitzt der Hosenbund zu weit oben, man geht nicht mehr ganz so gerade, man wirkt verbraucht ohne schwach zu sein. Clint Eastwood ist nunmal kein Charles Bronson, der mit 70 noch mit ner MP durch die Strassenzüge von New York eierte und im Alleingang ganze Massen an bösen Jungs das leben aushauchte.
Morgen Freeman spielt den besten Freund und Kompagnon von Eastwood, der hauptsächlich für die Sauberkeit in der Trainingshalle zuständig ist. Der Plot ist kurz erzählt: eine junge Frau von 31 jahren (sie sieht locker 6 jahre jünger aus, auch so was seltsames) will unbedingt Boxerin werden, schafft es den alten Trainer zu überreden und ist unheimlich erfolgreich. Ihre Art zu boxen ist nicht gerade zimperlich, Gewissensbisse, sie könnte mit ihrem Stil Menschen umbringen hat sie erst sehr spät. Dass ausgerechnet sie durch einen illegalen Nachschlag der deutschen, schwarzen (ich komm da nicht drüber weg, die Frau sieht so dermassen amerikanisch aus) Weltmeisterin bekommt und unglücklich auf einem Stuhl landet, ist nunmal Berufsrisiko. Etwas arg konstruiert vom Autor und so folgen nach 90 Minuten hervorragendem Boxer-Film 30 Minuten RTL-Nachmittagsprogramm, in dem auf das (leider immer noch nicht wirklich vorhandene) Recht auf Selbstbestimmung beim Sterben hingewiesen wird. Wenigstens hier entscheidet sich Eastwood für den richtigen Ausgang und erlöst eine vom Hals ab gelähmte Frau von ihrem Leiden - ich hatte wirklich die Befürchtung, es würde anders ausgehen.
In diesem Zusammenhang findet sich Kritik an der Kirche - der junge Pfarrer kann dem alten Trainer nur schwer helfen, er versucht es nichtmal auf theologischer Basis. Hätte beim Trainer auch keinen Sinn, nachdem dieser tagtäglich zu seinen Predigten gekommen ist und ihn danach mit Fragen über die Dreifaltigkeit und die unbefleckte Empfängnis schier in den Wahnsinn zu treiben versucht. Dies sind nicht die einzigen witzigen Szenen in dem Film, die einem am Ende im Hals stecken bleiben.
Vor dem ganzen Drama ergötzt man sich an einem wirklich hervorragendem Boxer-Film. Hier darf der Vergleich zum ebenfalls Oskar-prämierten Film “ROCKY” einfach nicht fehlen: Eastwood honriert den Film, seine Trainer-Figur gleicht in gewissen Zügen dem Trainer von Rocky, in gewisser Weise auch Rocky selbst, wenn er, wie einst Balboa in Rocky V, die selben Boxschläge ausserhalb des Ringes vollzieht, wie sein Schützling innerhalb der Seile. Überhaupt habe ich in noch keinem Boxerfilm soviele Punchs gehört und so viele Boxszenen gesehen, wie in diesem. Man wird da durchaus gut bedient. Eastwood tritt aber auch in einen Dialog mit den Rocky-Filmen, wenn er den das Herz eines Boxers als seine wichtigste Eigenschaft negiert: “Zeig mir einen Boxer mit Herz, und ich zeige Dir einen Mann, der Prügel bezieht.”

Ich weiss nicht, mir gefällt die Wendung am Ende nicht. Es muss ja kein Happy-End sein, aber die letzten 30 Minuten eine dahinsiechende und nach dem Tod bettelnde Frau zu zeigen, irgendwie passt das nicht. Regiemässig hat er allerdings wirklich zugelegt seit “SADISTICO” (das war aber schon lange klar), der Oskar in dieser Kategorie ist durchaus gerechtfertigt. Der Oskar für Morgan Freeman, der wieder mal genial spielt, auch. Für den besten Film und die beste weibliche Hauptdarstellerin werde ich die Oskars aber nie verstehen.

6 von 10 Punkten: das erste mal seit “SADISTICO”, dass ich von einem Eastwood-Film (mit ihm oder ohne ihm in der Regie) nicht so ganz begeistert bin. Die negativen Punkte sind unsinnig und nagen an meiner Seele. Und das bei einem ansonsten wirklich hervorragendem Film, der einem sehr nahe geht und in seiner Endaussage Betroffenen nur als Beispiel dienen kann.

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DON JUAN DeMARCO

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Don Juan lebt! Er geistert durch die Gegenwart, verführt Frauen und will sich, weil er DIE EINE nicht haben kann, umbringen. Deshalb landet er in einer psychiatrischen Klinik. Aber wer ist der junge Mann denn nun wirklich? Und was steckt hinter seinen Fantasien, die so sehr mit der Realität verknüpft sind, dass man nicht weiss, ob Don Juan verrückt ist, oder einfach nur ein unheilbarer Romantiker, der jeden in seinen Bann zieht.

Ein wunderschöner, romantischer Film, witzig, nachdenklich, mit einem hervorragendem Johnny Depp und einem perfekten Marlon Brando als Psychiater. Das besonders schwere Synchron in diesem Film wurde perfekt umgesetzt. Auch immer wieder sehenswert… und ansteckend.

Nur als kleine Nebenbemerkung: Don Juan wird in diesem Film als der grösste Liebhaber der Weltgeschichte bezeichnet. Nun kennt jeder auch noch Casanova. Der eigentliche Unterschied zwischen den beiden Originalcharakteren ist ja, dass Don Juan derjenige mit dem schwarzen Büchlein ist, der Frauen sammelt und sie, sobald er sie sexuell hatte, fallen lässt. Casanova hingegen geniesst jede Frau, verehrt sie, hebt sie in den Himmel.
Don Juan in diesem Film ist eine Mischform: er hat viele Frauen und hebt sie in den Himmel, er hat im Grunde nichts mit der Originalfigur Don Juan zu tun, sondern ist ein echter Romantiker, kein Weiberheld. Das sollte man wissen, wenn man sich fragt, ob dieser Film für einen was ist, damit man nicht mit falschen Erwartungen ran geht, sofern man sich mit dem Don Juan Mythos auskennt, der schon all zu oft in die falsche Ecke gedrängt wurde.

10 von 10 Punkten.

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HIGH SPEED MONEY - Die Nick Leeson Story

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—SPOILERWARNUNG—
Ein Film nach einer wahren Begebenheit, in dem gezeigt wird, wie ein Börsenmakler vom kleinen Fehltritt hin zum grössten Börsencrash eine der renomiertesten Banken Grossbrittaniens zu Fall bringt - und dann nicht mal was für sich selbst abgezweigt hat!

Gut, das war jetzt ein Spoiler, aber was solls, der Film lebt nicht von dieser Geschichte. Warum er so spannend ist? Keine Ahnung, vielleicht weil einen die hektische Börse so ansteckt, die Intensität eines Ewan McGregor, die Geschichte an sich.

Der grösste Börsencrash in der Geschichte — verpackt in eine kleine Story, in eine wahre Story, so wie das Leben eben ist. Amüsant zum anschauen, kein bischen langweilig. Kein Meisterwerk, aber keineswegs öde, kann man sich wieder mal ansehen. Wo hab ich nur meine “Wall Street”-DVD? Hab ich eine? Wenn nicht, sollte ich sie mir möglichst schnell zulegen, denn auf DEN Film kriegt man da glatt wieder mal Lust.

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CANNONBALL

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Fünf Jahre vor dem ersten der berühmten Highway-Filme mit Burt Reynolds gab es schon einen Film, der “Cannonball” hiess. 1976 drehte David Carradine, da noch frisch in den Köpfen als Kung-Fu-Caine, den ersten Film, in dem es um ein illegales Autorennen ging. Ernsthafter und weniger Starbesetzt, als die Highway-Filme, auch unbekannter (so dass man die DVD um 5 Euro auf dem Krabbeltisch finden kann), aber keinesfalls weniger gut. Eine stringente Story, gemischt mit guten Charakteren, der Slapstick aus den Highway-Filmen (die ja auch das Cannonball-Rennen beschreiben) ist nicht vorhanden, Komik aber durchaus - Tragik jedoch auch… und die einzige Übertreibung findet man in einem finalen Crash, bei dem man sich fragt, wieso plötzlich keiner der Fahrer mehr weiss, wo das Bremspedal liegt. Dass alle Autos bei kleinster Berührung auf amerikanische Art explodieren ist wieder was anderes…

Carradine spielt gut, man sieht, er kann mehr, als nur Grashüpfer-Sprüche ablassen, aber natürlich durften auch hier ein paar anständige Kämpfe nicht fehlen. Amüsante und gar nicht langweilige 85 Minuten.

PS: Es handelt sich um die normale, leider geschnittene, TV-Fassung von MCP-Media, dafür im richtigen Format 4:3 (wobei man da vorsichtig sein muss, wenn man sagt, die uncut-Scheibe von Marketing sein Verarsche, weil nur Balken draufgesetzt wurden. Der Film kann trotzdem mit dem Ziel 1.85:1 gedreht worden sein, auf einem 16:9-TV werden jedenfalls bei Zoom2 keine Köpfe abgeschnitten!).

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BRONCO BILLY

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Clint Eastwood als Circus-Cowboy. Ja ist der Mann denn des Wahnsinns???

Nein, ist er nicht, denn er ist ein guter Circus-Cowboy, wenn auch nicht gerade erfolgreich mit seiner Truppe, die hauptsächlich aus ehemaligen Mithäftlingen und sonstigen Gestrauchelten besteht. Da kommt ihm eine überkandidelte neue (und unfreiwillige) Partnerin gerade recht. Kann er ja nicht wissen, dass diese bald mehr Geld auf dem Konto hat, als man jemals brauchen wird. Dass er selbst als Kind nie auch nur aus der Nähe ein Pferd gesehen hat, hat ihn nicht daran gehindert, ein Western-Star zu werden, wenn er etwas anpackt schafft er es. Natürlich auch diesmal wieder, ohne Hilfe seiner grossen Liebe, die er am Ende schliesslich noch als Sahnehäubchen bekommt

Eastwood führte auch Regie, und es bestätigt sich wieder mal: der Mann kann machen was er will, es wird immer wieder unterhaltsam. Die Idee z.B., in seiner grössten Not in der heutigen Zeit einen Zug zu überfallen und die Durchführung in nur 5 Minuten zu einem Meisterwerk der subtilen Komik zu machen, sowas schaffen nur wenige. Wieder mal ein grossartiger und amüsanter Film von und mit Clint Eastwood.

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HEARTS IN ATLANTIS

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Ein Thriller auf DVD. Nach einem Buch von Stephen King.

Schauspielerisch kann man nicht meckern, Anthony Hopkins spielt gewohnt perfekt, und alle anderen Rollen sind ebenfalls klasse besetzt. Mir hat der Film von Anfang an gefallen, leider kommt er irgendwie nicht aus den Puschen.

Inhalt: Bobby Arnold, der wegen der Bestattung eines Jugendfreundes in seine Heimatstadt zurückkehrt, erinnert sich an seine Kinderzeit. Als elfjähriger lebte er mit seiner egozentrischen Mutter seit dem Tode seines Vaters alleine, freundet sich mit dem neuen Untermieter Ted an, lernt von ihm die Liebe zur Literatur und viele andere Werte kennen, und hält für ihn die Augen offen, da Ted sich von “niederen Menschen” (also das FBI) bedroht fühlt.

Kritik: Der Film ist spannend, manchmal romantisch, ein wenig episch, und beim zugucken kriegt man Lust, sich endlich mal wieder “Stand by me” anzusehen. Wenn einem nur das Ende nicht alles versauen würde. Ich bin nun keiner, der unbedingt ein Happy End braucht… ABER eine Auflösung, DIE brauch ich schon. Der Zuschauer wird im Dunkeln über viele Dinge gelassen. Vielleicht findet man am Ende, das ich nicht auch noch vorwegnehmen will, vielleicht sogar einen Sinn, warum sich ein Erwachsener an seine Kindheit und an diese Geschichte erinnert, warum die ihn eingeholte Vergangenheit ihn an diesen Ort zurückgeführt hat, aber selbst wenn: es ist nicht mehr als das Bildnis einer kleinen, unwichtigen, vertanen Chance, eingebettet in das Schicksal eines Hellsehers, von dem wir nichts weiter erfahren. Irgendwie schade.

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