Archiv für November, 2009

Eindrücke eines Patienten

Wie versprochen meine Eindrücke von meinem Krankenhausaufenthalt mit Blick darauf, dass ihr alle in dem Bereich arbeitet und meine Eindrücke als Patient gerade ganz frisch sind.

Ich bin ja am Dienstag reingegangen, und konnte erst am Donnerstag operiert werden. Trotz des Bänderriss (vorne) und dem Bruch im Sprunggelenk bin ich nämlich noch zwei Tage in die Presseagentur (einmal sogar gefahren), dementsprechend geschwollen war der Fuß. Er musste also erst abschwellen, weil man sonst nicht hätte nähen können, nachdem man mir Platte, Nägel und Schraube verabreicht hat (ich freu mich jetzt schon auf die nächste Kontrolle am Flughafen).

Vor der OP und der Vollnarkose hatte ich seltsamerweise keinerlei Angst, es lief auch alles glatt (zumindest sehen meine Ärzte nicht schuldbewusst aus, wenn sie mich ansehen).

Aufgewacht bin ich in meinem Zimmer am Tropf, wieder mit Gips am Bein. Die Schmerzen waren erträglich, wohl auch dank der freigiebigen Abgabe von unterschiedlichen Schmerzmitteln. Überhaupt wurde einem jeder Wunsch erfüllt, sei es Tranxillium, richtige Schlaftabletten oder die Auswertung des Blutbildes, welche Frage man auch stellte, die Schwestern beantworteten alles – die SCHWESTERN. Die Ärzte, und das ist auch mein einziger Punkt, den ich hier bemängeln kann, hatten die Visiten so richtig knapp gehalten (kein Wunder, bei dem Pensum) – Fragen wurden schon beantwortet, aber lasst euch mal ne intelligente Frage einfallen, wenn man als Langschläfer plötzlich täglich um 7:15h geweckt wird. „Was machen die Schmerzen?“ – „Sie tun weh…“. Hallo? Was soll ich auch anderes sagen? Nach 3 Tagen Running Gag gab ich auf und antwortete mit: „Wenn ich liege 3 – 4, wenn ich aufstehe kurzzeitig 7, dann wieder 5, mit Schmerzmitteln meistens nur 2.“

Mit so einer Antwort bringt man die Augen einer Schwester zum feuchten funkeln, ehrlich.

Naja, jedenfalls waren da Schmerzen nach der OP, und ich wusste natürlich, dass da eine Narbe sein musste, nur wo die verlief, wie die aussah, WAS da schmerzte… keine Ahnung, also macht man sich Sorgen. Sorgen, die „Dr. Zäfix“ (ein paar von euch werden nun neidisch gucken - JA, ich habe ihn kennengelernt) aus der Welt räumte. Für die Profis unter euch ist es vielleicht mal wichtig zu wissen, dass die Schmerzen gleich mal um mindestens 3 Punkte fallen, wenn man die Narbe und somit den Ursprung der Schmerzen GESEHEN hat. Davor ist das so eine Black Box, der man nicht traut. Danach weiß man einfach, dass sowas weh tun MUSS. Wenn man dann noch erfährt, dass man von einer Frau Rehbock operiert wurde, und das im Fußbereich, weiß man doch gleich, dass alles richtig gelaufen ist – SORRY ADIDAS, aber mein zukünftiger Sponsor steht fest. ;-)

Das war meine erste Beobachtung, die euch vielleicht interessiert. Die zweite ist eher esoterischer Natur. Denn, solange ich im Krankenhaus war, habe ich es genossen, den Rollstuhl ausgiebig zu testen und zu benutzen. Erstens, weil es bequem ist, zweitens, weil ich schon immer mit sowas umgehen können wollte, man weiß ja nie, ob man nicht doch mal eine Rolle angeboten bekommt, in der man das braucht. Nachdem dies der erste Krankenhausaufenthalt und der erste Bruch meines nun schon 38 Jahre andauernden Lebens waren, hatte ich also eine Menge neue Erfahrungen, von der Diagnose, über Schock, Ergebung in die Situation, Genuss der erzwungenen Ruhe, über die Narkose bis hin eben zu meinem geliebten Rollstuhl.

Ich setzte mich da rein, und konnte sofort gut damit umgehen, er war mein Freund, der mich mobil durchs Krankenhaus pesen ließ. Heute, am Tag vor der Entlassung, waren aber mehrere Angestellte, mit denen ich bisher noch nicht zu tun hatte, erstaunt, WIE gut ich das Teil im Griff hatte. Die Röntgenschwester meinte nur: „Daran gewöhnt man sich besser nicht so leicht.“
Recht hat sie irgendwie, und ich dachte nach, WARUM ich so gut mit dem Teil umgehen konnte. Hatte ich schon ausführliche Erfahrung in einem früheren Leben damit gesammelt? Oder wurde mir das Talent gegeben, weil ich es irgendwann noch brauchen werde? Oder gewöhnen sich einfach fast alle so schnell an den Rollstuhl, wenn sie nur wollen (wie eine Mit-Patientin, die eigentlich selbst in diesem Krankenhaus im OP-Bereich angestellt ist, bestätigte). Und ein MS-Patient, mit dem ich eine Nacht vorher vor der Notaufnahme noch eine geraucht hatte, und der wegen Noro-Gefahr da war, bestätigte mir im Grunde das selbe: früher sei er gerne Auto gefahren, nun, wenn sich die Gelegenheit ergibt, zischt er gerne mit dem Rolli einen Berg runter und steuert nur mit dem Bremsen (was übrigens wirklich gut funktioniert). Und sicher schießen ihm da alte Bilder in den Kopf, als er von der Firma aus über den Nürburgring mit einem Porsche flitzen durfte, wo es auch brenzlige Situationen gab… naja. Fazit ist jedenfalls, dass ein Rolli dein Freund sein kann, und es hängt wohl vom Menschen ab, ob das nur dann so ist, wenn man jederzeit auch wieder aus dem Rolli aussteigen kann.

Vielleicht ist für euch das eine oder andere dabei, was ihr noch nicht kanntet, und was ihr für eure Arbeit verwerten könnt.

Und nu geh ich doch noch schnell eine Rauchen im Freien, es soll laut Nachtschwester nämlich angefangen haben zu schneien.

Ab morgen (wenn es sich die Ärzte nicht anders überlegen) sehen wir uns wieder auf dem Gelände… ich bin momentan halt etwas langsamer, also habt ihr recht gute Chancen, mich zu erwischen. ;-)

Bis denne, ich freu mich schon darauf.
Euer Chris

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