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Resümee über die Fußball-WM 2006

Nun ist sie also vorbei. Und es ist Zeit, sich ein paar Gedanken darüber zu machen, was uns die Fußball WM 2006 so gebracht hat.
Zu schlechter Letzt erst mal zwei unwürdige Gegner im Finale: Italien und Frankreich: die einen, die mehr durch Schwalben und Tricks außerhalb des Spielfeldes brillierten, die anderen, die auch nach einen Streetfight-Angriff ihres größten Spielers diesen noch ehren und in den Himmel heben.
Traurig, das Ende, und es hat eine Menge der Euphorie gekostet. Aber die hatte ihren Höhepunkt sowieso schon am Vorabend, als die deutsche Mannschaft zu recht frenetisch gefeiert wurde. Weltmeister der Herzen wurden sie genannt, und sie kosteten am Sonntag Mittag noch mal alles aus auf der Berliner Fanmeile. So gefeiert wurden Weltmeister noch nie, geschweige denn die Dritten in einem Wettkampf.
Aber wie gesagt, zu Recht. Die Klinsmänner haben den Deutschen ein Gefühl gegeben, dass es seit Jahrzehnten nicht mehr gab: Nationalgefühl ohne bitteren Beigeschmack. Da sei auch daran erinnert dass es bei dieser WM keine furchtbaren Hooligan-Auftritte gab, nicht mal terroristische Meldungen, und gerade mit letzteren hatte ich fest gerechnet. Da hat die deutsche Abwehr (und ich meine nicht die auf dem Fußballfeld) hervorragende Arbeit geleistet.

Die grossen Verlierer der WM

Aber es gibt auch Verlierer bei der WM, und alle hat sie die FIFA zu verantworten. Allen voran das Maskottchen GOLEO und die fränkische Firma NICI, die die überteuerten Lizenzen an den von Muppet-Henson kreierten Goleo erworben hatte. Hätte NICI doch nur auch das Design von Goleo selbst gemacht, das wäre ein hundertprozentiger Treffer gewesen, so musste sich die Firma mit einem Löwen abkämpfen, an den man sich erst gewöhnen musste, bevor man ihn lieb gewinnen konnte.
Fast wie ein Hinterhalt kommt es einem vor, dass Goleo in den TV-Übertragungen so gut wie nie zu sehen war. Wo waren die Trickfilmeinspieler, wo die Präsenz, die jedes andere Maskottchen hatte? Kein Wunder eigentlich, dass man in Waldi’s WM-Club ein neues Maskottchen suchte, den Bär Bruno, für den man nicht zahlen musste, dem man aber auch nicht helfen konnte.
Um es mal ganz klar zu sagen: eine WM ins eigene Land zu holen hat auch das Ziel, wirtschaftlich dem eigenem Land zu helfen, und nicht, einen Betrieb in einer Gegend kaputt zu machen, in der Arbeitslosigkeit so und so schon das Übel Nummer 1 ist. Ich erwartete (und erwarte eigentlich immer noch), dass die FIFA oder die Regierung da einschreiten und NICI helfen, wo sie können.

Die FIFA verlangte für alles sehr viel Geld, bis hin zu Eintrittskarten, die im Grunde unerschwinglich sind. Und wie teuer die FIFA in vier Jahren sein wird, ist angesichts der 180 Millionen Euro Süd-Afrika-Zuwendungen noch gar nicht abschätzbar. Dass sich angesichts solcher Tatsachen tatsächlich noch freiwillige Helfer gefunden haben, die OHNE Bezahlung als Helferlein der FIFA geholfen haben, ist mir unverständlich – ich kann da jedem einzelnem nur den Vogel zeigen. Es mag ja eine Ehre sein und viel Spaß gemacht haben, aber es war ebenso ein Dolchstoss in den Rücken eines jeden anderen.

Die grossen Gewinner der WM

Die großen Gewinner sind wie schon erwähnt die Deutschen an sich: sie konnten ins Ausland hin endlich mal positiv in Feierlaune auf den Strassen gezeigt werden, fast südländisch, unbändig, in, wie meinte ein Kommentator mehrmals, „kindlicher Freude“. Und das kommt um Längen besser an, als das bisher bekannte altjüngferliche „Wir sind ja soooo schuld am Übel dieser Welt.“. Sogar die englische (!) Presse hat die deutschen Fans gelobt, und das ist nun wahrlich ein kleines Wunder!
Endlich wurde die deutsche Fahne wieder gesellschaftsfähig, und zumindest das, hoffe ich, wird auch noch eine Zeit nach der WM anhalten. Denn trotz der Bemühungen einiger linksradikaler und grüner Elemente sind die deutschen Fahnen nicht von den Autos und Balkonen verschwunden. Und die linksradikalen grünen Elemente sollen ihre T-Shirts, die sie im Tausch gegen die Fahnen angeboten haben, gefälligst selber tragen und bitte bitte bitte auch beherzigen, was drauf steht: „Nazis raus aus den Köpfen!“. Ja, raus damit, denn die Nazis befinden sich nicht in den Köpfen derjenigen, die die deutsche Fahne schwenken, sondern in den Köpfen derer, die sich vernagelt immer noch Schuldhaftigkeit an Geschehnissen einreden, die seit über 60 Jahren Vergangenheit sind. Verantwortung: JA. Schuld: NEIN!

Was bleibt übrig?

Gäbe es seit gestern nicht genug neue Schreckensmeldungen für die Nachrichten, sie würden sich darauf stürzen, was für einen Kater das deutsche Volk seit heute hat, vereinzelt gab es solche Berichte ja trotzdem: was ist von der Euphorie übrig, und es wurde schon gesagt, einige würden wohl glauben, man dürfe jetzt tatsächlich schon wieder ungestraft rummeckern. Ja, durfte man das jemals nicht?
Mal ehrlich: wenn von der Euphorie die Möglichkeit übrig bleibt, stolz die eigene Fahne schwenken zu können, auch ohne WM, dann bin ich froh. Denn die Euphorie ist nicht Ausdruck eines neuen Lebensgefühls: sie ist das Indiz für die Tragweite der Probleme in Deutschland. Und spätestens jetzt wird einigen klar werden, was für Auswirkungen so manches Gesetz und so manches Gesundheitsreförmchen hat, das zwischen Tür und Angel… sorry, zwischen zwei Fußballspielen verabschiedet wurde. Und da wird das Lachen der Bundeskanzlerin in verschiedenen Spielen noch in ganz anderem Licht gesehen werden. Vielleicht hat sie Klinsmann auch nur deshalb so dolle geknuddelt, weil er, ohne es wohl zu wollen, ein wunderbares Ablenkungsmanöver vollbracht hat.

Deutschland wacht wieder auf, und es hat sich nichts Wichtiges geändert. Es war zwar eine geile Zeit… aber sie hat nur der Seele gut getan. „Nur“ ist gut, das ist schließlich mehr, als die Deutschen in den letzten Jahren erfahren durften. Aber gelöste Probleme finden sich nun mal nicht beim feiern – leider.

Kommentare (1)

Bär Bruno ist tot. :-(

Es ist schon seltsam. Wochenlang verfolgt man einen Bären und erwischt ihn nicht. Dann wird er unverständlicherweise wieder zum Abschuss frei gegeben, und nach zwei Tagen hat man ihn.

Problembär hin oder her, er hat Menschen nichts angetan, war eher zutraulich. Sein einziges Problem war das Reißen von Zuchttieren, die er dann nicht gefressen hat, sicherlich noch lange kein Grund, auf so brutale Weise vorzugehen. Mich wundern die Morddrohungen für den Todesschützen kein bischen, ich find ne Kugel für den nur viel zu milde.

Es hat sich halt wieder mal bewahrheitet: das grausamste und hinterlistigste Tier ist und bleibt der Mensch… da kann man sich doch nur noch schämen.

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Kein Bock auf Nazis - DVD Projekt

Ich bin da gerade auf ein Projekt gestossen, dass sich gut anhört, und das ich hier gerne propagieren möchte:

KEIN BOCK AUF NAZIS.

Das ist eine kostenlose DVD auf der Interviews mit verschiedenen Künstlern zu finden ist (Die Ärzte, Die Toten Hosen, Donots, ZSK, Muff Potter, Julia Hummer, Culcha Candela und Madsen.) Dazu gibt es noch eine Doku über die rechte Struktur in Deutschland. Die DVD wurde z.B. in Musik-Magazinen kostenlos beigelegt. Die erste Auflage, die erst am 28. April rauskam, ist schon vergriffen, auf der eigenen Webseite http://www.keinbockaufnazis.de/ kann man sie also nicht mehr bestellen. Die Macher suchen gerade Sponsoren für eine zweite Auflage. Man kann sie aber so lange als DivX-Video bei The Rocking Ape herunterladen. Die DVD selbst gibt es als legalen Torrent-, Bearshare- und Esel-Download (ist das nicht alles das selbe??? Hm, egal. ;-) )
Viel Spaß damit.

PS: Ich kenne den Inhalt der DVD noch nicht, glaube aber, den darauf vertretenen Künstlern vertrauen zu können. Mein Nachsatz resultiert aus einem Link auf der oben genannten Webseite, der aufzeigen will, was man gegen Nazis tun kann - was da aber propagiert wird, ist in meinen Augen zutiefst antidemokratisch und linksextremistisch… und ob links oder rechts, ich halte JEDE extremistische Einstellung für FALSCH! Vielleicht schreib ich dazu in nächster Zeit mal ausführlicher meine Meinung.

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POPETOWN auf MTV

Heute Abend kommt auf MTV um 21:30h eine Folge Popetown, aufgrund der dann diskutiert werden soll, ob weitere Folgen gesendet werden (dürfen), oder nicht.

Meine Meinung zur POPETOWN - Diskussion?

Schade, dass die katholische Kirche jetzt den selben Fehler macht, den die Mohammedaner vor ein paar Wochen wegen den Karikaturen gemacht haben (und über die wir uns dabei so aufgeregt haben): sie zeigt, dass große Teile ihrer Anhängerschaft keinen Humor besitzt, wenn es um ihren Glauben geht. Und das, wo sie gerade den besten Papst seit langem bekommen hat. Zumindest in diesem Punkt könnten viele Religionen einiges von den Juden lernen, die sich selbst immer mit einem Augenzwinkern betrachten und eigene Unzulänglichkeiten thematisieren.

Dieses Bild, mit dem herabgestiegenem Jesus, der sich köstlich über POPETOWN amüsiert - ich glaube, das Bild trifft des Pudels Kern: Kirche und Religion hatten eigentlich noch nie etwas miteinander zu tun, deswegen kann ich (evangelisch, in Bayern aufgewachsen, nicht an die Kirche aber an Gott glaubend) auch keine Gotteslästerung darin erkennen, wenn der Vatikan durch den Kakao gezogen wird. Und dazu gab es in den letzten Jahren nun mal genug Anlass (Rehabilitierung Galileos erst Jahrzehnte nach den ersten Satellitenfotos, Aktienbeteiligungen an Kondomherstellern… ach was nicht alles.)

Da ist es auch nicht wichtig, ob die Serie an sich gut oder schlecht oder vielleicht sogar lästerlich ist – man sollte, auch wenn es um einen selbst geht, mal wieder über die Bedeutung des Wortes TOLERANZ nachdenken, bevor man antidemokratisch wird und über das Verbot von Kunst nachdenkt - und sei diese Kunst auch noch so trivial.

Nachtrag: eine Review zur ersten Folge findet ihr in meinem Movie-Blog: ZUR REVIEW

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Könnten Sie ein Deutscher werden?

Diese Frage wird gestellt von der Financial Times Deutschland unter der Webadresse: http://www.ftd.de/politik/deutschland/56873.html . Da findet sich eine Fragenauswahl aus dem Hessischen Test für Passanwärter. Anscheinend will man mit solchen Aktionen, die von der Financial Times ist kein Einzelfall, darauf aufmerksam machen, dass die Fragen, die gestellt werden, zu schwer seien und nicht relevant seien, um herauszufinden, ob jemand in den Kulturkreis Deutschlands passt, da ja nicht mal gebürtige Deutsche immer alle Fragen beantworten könnten.

Aber mal ehrlich: das MUSS ein gebürtiger Deutscher ja auch nicht. Der hat seinen Pass und wurde von Geburt an in diesem Kulturkreis integriert. Das kann man vergleichen mit der deutschen Sprache. Fragen Sie einen Deutschen nach grammatikalischen Besonderheiten seiner eigenen Sprache- die wenigsten werden Ihnen antworten können. An der Uni haben wir bei grammatikalischen Schwierigkeiten immer unsere ausländischen DAF-Studenten (”Deutsch als Fremdsprache”) gefragt. Die haben bewusst Unterschiede gelernt, die wir umgangssprachlich mit der Muttermilch aufgesogen haben. Wir wissen nicht WARUM, aber wir wissen, WIE.

So ähnlich ist es auch mit dem Kulturkreis: bei vielen Dingen wissen wir nicht im Detail, warum etwas wie funktioniert, aber wir haben es im Gefühl. Um nun jemanden Fremden in den Kulturkreis zu integrieren (und somit sicherzustellen, dass es nicht am laufenden Band Missverständnisse gibt), muss dieser halt auch bestimmte Dinge zu unserer Kultur wissen. Da ist die Absurdität des Testes in Bezug auf deutsche Teilnehmer keineswegs ein Beweis dafür, dass er ungeeignet ist, die Integrationsmöglichkeit eines Anwärters auf den deutschen Pass zu beweisen. Nun gut, das hat die Financial Times auch nicht geschrieben, aber so wird es von einigen grünen Politikern nun mal hingestellt. Und deswegen sollte das wenigstens in so einem kleinen Blog wie meinem auch mal richtig gestellt werden. :-D

Eine ganz andere Frage ist natürlich, WOHER die ausländischen Anwärter die Antworten wissen sollen? Ich weiss nicht, ob es Vorbereitungskurse gibt, oder Bücher dafür. Aus dem Nichts kann man die Fragen natürlich nicht beantworten, aber das ist ein anderes Problem.
Übrigens, meine Testauswertung: 32 von 42 Punkten, bestanden. ;-)

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