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Der Onkel George aus Amerika

Liebes Tagebuch,

manchmal weiß man gar nicht, wie man diese großartigen Erlebnisse der letzten Zeit verarbeiten soll. Die WM-Euphorie ist noch keine Woche alt und der Papst-Besuch dauert auch nicht mehr lang, da wird man von einem weiteren Ereignis erschüttert. Tante Angie bekommt Besuch von Onkel George.

Der Onkel George Bush ist ein ganz bekannter Mann in Amerika, und deswegen wollten den auch ganz viele Leute sehen. Vor allem, weil er Tante Angie in ihrem Ossi-Kaff besucht hat, das fanden alle ganz besonders toll. Richtig begeistert waren die 100 ausgewählten Fans, und haben Fahnen geschwungen, schon wieder, oder immer noch, ich weiß es nicht. Jedenfalls sind auch ein paar USA-Flaggen geschwenkt worden, und eine ganz besonders dumme Frau hat doch tatsächlich lächelnd in die Kamera der Nachrichtensendung gesagt, Bush habe ihr die Hand gegeben, und sie werde sie erst mal nicht mehr waschen. Aber die war sicher vom gerichtsmedizinischen Institut und will wissen, ob an George’s Händen immer noch das Blut der ganzen Todeskandidaten klebt, die er über die Klinge springen hat lassen, um Präsident zu werden.

Nach was für Kriterien diese auserwählten Zuschauer herausgesucht wurden, und dabei zuschauen durften, wie Onkel George die Angie abknutscht und ihr Honig ums Maul schmiert, weiß ich ebenfalls nicht. Ich vermute, es wurden IQ-Tests durchgeführt, und jeder, der ein Ergebnis knapp unter Zimmertemperatur hatte, durfte in die abgesperrte Innenstadt. Das Durchschnittsalter musste insgesamt sicherlich bei 75 liegen.

Diejenigen, die so laut schreien und protestieren, dass man das saudumme Gelaber von Onkel George nicht mehr hören konnte, mussten draußen bleiben. Sie wurden mundtot gemacht. Das hat Tante Angie noch in ihrer alten Heimat, der DDR so gelernt. Ist aber auch ein Witz… wegen der 20 Millionen, die der Besuch von Onkel Bush gekostet hat, hätte man wirklich kein Aufhebens machen müssen. Ist ja nicht so, dass es irgendjemanden in Deutschland schlecht gehen würde, dass Kindergärten saniert oder das soziale Netz geflickt werden müsste. Es ist auch ganz sicher kein Schlag in das Gesicht eines jeden Arbeitslosen, oder in das der Eltern, die ihrem Kind sagen müssen, dass sie sich dieses oder jenes jetzt einfach nicht leisten können. Nein, nein, die 20 Millionen für eine öffentliche Ansprache und ein kleines Grillfest müssen schon sein.

Mein liebes Tagebuch, ich sag Dir, diese Tage in Deutschland miterleben zu dürfen, das kostet Kraft. Deshalb bin ich jetzt auch hundemüde. Ich geh noch kurz aufs Klo, kotz mir die Seele aus dem Leib, Zähne putzen und dann ab in die Heia… vom Barbecue träumen, das Tante Angie für Onkel George brutzelt. Vielleicht träum ich sogar davon, wie die beiden an kleinen Rippchen ersticken. Ich glaube, das würde meiner Seele gut tun.

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